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Stadtteile vorgestellt – Rottluff

    Die Geschichte des Chemnitzer Stadtteils Rottluff ist eng mit einer langjährigen Entwicklung von einer ländlichen Gemeinde zu einem modernen Siedlungs- und Industriegebiet verknüpft, deren bedeutender Meilenstein die Eingemeindung am 1. Oktober 1926 war.

    Mehrbildkarte um 1920

    Die feierliche Übergabe der Landgemeinde an die Stadt Chemnitz fand an jenem Freitagmorgen in einer schlichten Feier in der damaligen Rottluffer Schule statt. An dem bedeutenden Akt nahmen zahlreiche hochrangige Vertreter der beteiligten Behörden teil, darunter Kreishauptmann Dr. Seyfarth, Amtshauptmann Jungnickel, Oberbürgermeister Dr. Hübschmann, Bürgermeister Arlart, Stadtverordnetenvorsteher Landgraf sowie die Gemeindeverordneten von Rottluff angeführt von Bürgermeister Rauner. In den Ansprachen wurde betont, dass dieser Schritt nach reiflicher Überlegung und auf dem Wege der gegenseitigen Verständigung erfolgte, wodurch das Selbstbestimmungsrecht der Gemeinde gewahrt blieb. Während Oberbürgermeister Dr. Hübschmann und Amtshauptmann Jungnickel die neuen Bürger herzlich in der Stadt willkommen hießen und die Vorzüge des westlichen Vorgeländes sowie die notwendigen Verbesserungen bei Schul-, Straßen- und Wasserverhältnissen hervorhoben, blickte Bürgermeister Rauner wehmütig auf die jahrhundertelange Selbstständigkeit zurück, begrüßte die Verbindung jedoch mit Freude und Vertrauen. Kreishauptmann Dr. Seyfarth merkte an, dass, was wirtschaftlich zusammengehöre, nicht dauernd getrennt bleiben solle. Nach der Verlesung der Niederschrift schloss sich im Erfrischungsraum des Stadtverordnetensitzungssaales eine kleine Nachfeier mit zahlreichen Trinksprüchen an.

    Die Bemühungen um diese Eingemeindung hatten bereits im Jahr 1912 begonnen. Obwohl Verhandlungen geführt und zeitweise Verträge vorbereitet worden waren, unterbrach der Erste Weltkrieg diese Pläne, und im Juni 1920 beschloss die Gemeinde Rottluff zunächst, die Einverleibung bis zu besseren Zeiten zu vertagen. Erst im März 1925 bat die Gemeinde die Stadt von sich aus, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, was schließlich zu einem vollständigen Einvernehmen und der Zustimmung der städtischen Gremien führte. Als Bedingungen waren unter anderem der Ausbau des Verbindungsweges nach Schönau, die Pflasterung der Hauptstraßen, die Verlängerung der Straßenbahn, der Ausbau der Schule mit einem Bad sowie der Bau der Wasserleitung zugesagt worden. Rottluff brachte zu diesem Zeitpunkt bei 2188 Einwohnern eine Fläche von etwa 490 Hektar in den Stadtverband ein.

    Die historische Entwicklung des Ortes reicht weit in das Mittelalter zurück und lässt sich bis in das 12. Jahrhundert datieren. Der Name des Ortes wird von dem mutmaßlichen Gründer „Rotolf“ beziehungsweise „Rudolf“ von Brand abgeleitet, wobei die Kolonisatoren des Landes zwischen Zwickauer Mulde und Chemnitz – darunter Hugo von Wartha und Rudolf von Brand als Dienstleute von Kaiser Barbarossa aus der Kölner Gegend – rheinfränkische Bauern in die Region führten, die das Land urbar machten. Rottluff wurde als Waldhufendorf angelegt, was sich bis heute durch die Streifen des Ackerlandes und der Hufen an der Röhrsdorfer Höhe erkennen lässt. Urkundlich wurde der Ort erstmals im Jahr 1375 erwähnt, als die Herren von Waldenburg die Herrschaft Rabenstein, zu der Rottluff gehörte, an das Chemnitzer Benediktinerkloster verkauften. Zu dieser Zeit befand sich Rottluff als Lehen in den Händen des Chemnitzer Bürgers Franz Schwenkenstein, dessen Söhne das Gut im Jahr 1401 schließlich vollständig an das Kloster abtraten, womit es in den direkten Besitz der Benediktiner überging. In den folgenden Jahrhunderten erlebte die Gemeinde verschiedene schwere Zeiten, wie etwa im Jahr 1520 Auseinandersetzungen der Rottluffer Bauern mit dem Abt wegen unberechtigter Dienstleistungen.

    Aus dem Jahre 1537 ist noch eine Klosteraufstellung bekannt, nach der Rottluff dem Kloster 19 besessene Mann, 9 Hausgenossen, 3 Fußknechte, 19 Spieße, 3 Pferde und 3 Räume und Sättel zu stellen hatte. An Naturalleistungen hatte es dem Kloster 8 Schock Käse, das Stück zu 4 Pf. zur liefern. Auch wissen wir, daß die Benediktiner in seinem Bereich zwei Schneidemühlen unterhielten.

    Seit 1539 gehörte die Rottluffer Gemeinde zum Pfarramt Niederabenstein, jedoch besitzt der Ort einen eigenen Friedhof.

    1541, nach Auflösung des Klosters in Chemnitz und der Säkularisation seines gesamten Besitzes, kam Rottluff zum neugeschaffenen landesherrlichen Amt Chemnitz.

    Erhebliche Einwirkungen erlitt der Ort im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) durch Holk‘sche Scharen und Schwedische Soldaten, in deren Verlauf gebrandschatzt wurde und den Bauern zahlreiche Pferde, Kühe und Kälber weggenommen wurden. Nach dem Steuerverzeichnis von 1628 hatte Rottluff 22 bewohnte Güter sowie 6 „Gärtner“ und „Häusler“. Erst um das Jahr 1717 verschwanden die letzten Spuren des Krieges, und zerstörte Häuser wurden neu aufgebaut. Der Ort erholte sich langsam wieder. 1767 errichtete man den ersten Gasthof (dessen Gasthofsgerechtigkeit aber erst seit 1819 auf dem Grundstück ruhte), 1797 wurde die Schmiede erbaut, die Schmiedekonzession stammte aus dem Jahre 1801.

    Im Übrigen fließen die Quellen aus seiner Vergangenheit sehr spärlich. Nach den vorhandenen Unterlagen ergibt sich, daß es 1790 aus 45, 1802 aus 56, 1822 aus 65 Häusern bestand. Von diesen waren 22 Güter, 1 Mühle und 1 Wirtshaus. Die Einwohnerzahl betrug damals 450 Seelen. Seitdem hatte sich der Charakter des Ortes nicht mehr groß geändert. Der Chronist erwähnte schon damals, daß die Landwirtschaft nicht sonderlich lohnend sei und daß die Einwohner zum größten Teil in der aufstrebenden Chemnitzer Industrie Beschäftigung finden.

    Planausschnitt von 1930

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlangten die Güter durch gestiegene Preise und eine Zunahme der Bevölkerung allmählich ihren alten Wert zurück. Das Dorf entwickelte sich stetig weiter: Im Sommer 1837 wurde die erste Rottluffer Schule erbaut, die bis 1884 in Benutzung war und durch einen größeren Neubau ersetzt wurde. 1859 wurde der bekannte Gasthof „Zum grünen Tal“ eröffnet. Im Jahr 1866 folgte der erste Kaufladen, gegen Ende des 19. Jahrhunderts kamen Bäckereien und Fleischer hinzu. Friedrich August Schmidt übernahm 1883 die örtliche Mühle. Am 1. Dezember 1884 wurde hier sein Sohn Karl Schmidt-Rottluff geboren, der später als Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ zu den wichtigsten Vertretern des deutschen Expressionismus zählte. 1892 wurde die Mühle bei einem Brand zerstört und bis 1894 wieder aufgebaut, das heute noch erhaltene Gebäude.

    Die Einwohnerzahl stieg von 932 im Jahr 1895, 1250 im Jahr 1905, 1844 Einwohnern im Jahr 1919 bis auf rund 2200 Seelen zur Eingemeindung 1926.

    Neben den traditionellen Fachwerkhäusern prägten zunehmend moderne Steinbauten das Ortsbild. Mehrere ortsansässige Ziegeleien versorgten die zahlreichen Baustellen im Ort und in der Umgebung.

    Einen wichtigen wirtschaftlichen Impuls brachte im Jahr 1900 der Bau der Industriebahn sowie die Anlage neuer Straßen wie der Kalkstraße als Bahnhofstraße, wodurch Rottluff eine Güterladestelle und einen Gleisanschluss erhielt. In der Folge siedelten sich verschiedene Betriebe an, darunter die Fa. Herrmann Schubert – Fabrik für Eisenkonstruktionen, die Brotfabrik Union Reimann & Kaden (13. Oktober 1910 eröffnet), die Fa. Arthur Halbig (Ausführung von Wasserversorgungsanlagen und Röhrenhandel), Schmirgel- und Corundwerke AG (später Schleifscheibenfabrik) u.a.

    Zudem wurde am 30. September 1919 mit der Grundsteinlegung der Bau der Kriegersiedlung Rottluff und Umgebung begonnen. Am 1. Mai 1920 waren die ersten 10 Doppelhäuser bereits bezogen. In diesem Rahmen entstanden bis 1929 insgesamt 82 Wohnungen und ein Siedlungsheim „Onkel Toms Hütte“, das im Frühjahr 1930 eröffnet wurde. Im Jahr 1926 gab der Ort schließlich seine politische Eigenständigkeit aufgab und wurde nahtlos in den großen Organismus der Stadt Chemnitz eingegliedert.

    Annonce aus dem Sachsnnebuch 1948

    Als weitere historische Ereignisse sind aufzuzählen:

    • 1867 – Gründung der Freiwilligen Feuerwehr
    • 1885 – Gründung des Turnvereins Rottluff, zum 20jährigen Stiftungsfest wurde am 2. Juli 1905 die Turnhallen geweiht.
    • April 1929 – Inbetriebnahme der Verlängerung der Straßenbahnlinie 3 Bernsdorf-Altendorf vom Altendorfer Depot bis nach Rottluff.
    • Juli 1929 Eröffnung einer Buslinie der „Kraftfahr-Gesellschaft Freistaat Sachsen“ von der Endstelle der Straßenbahn bis nach Rabenstein zum Gasthaus Goldener Löwe.
    • Am 6. November 1988 wurde mit Linie 3 (Rottluff – Zentralhaltestelle) die letzte schmalspurige Straßenbahnlinie im damaligen Karl-Marx-Stadt eingestellt.

    Quellen u.a.: Festschrift anlässlich der Jahrhundertfeier der Rottluffer Schule 1937; Chemnitzer Tageblatt, Ausgaben vom 11. Juli, 1. und 2. Oktober 1926, Postkarten aus dem Archiv der Chemnitzer Hobbyhistoriker.