Plakat der Schloßteichfestwoche 1956 (Bildquelle Steffen Nebelung)

Chemnitz hatte sich von den Auswirkungen des 2. Weltkrieges langsam erholt. Die Aufräumungsarbeiten waren im vollen Gange, um den Schloßteich entwickelte sich ein kulturelles und sportliches Zentrum. Im Herbst 1949 fand zum ersten Mal die Schloßteichfestwoche statt, die sich im Laufe der Zeit als jährliches Ereignis bis zum Schloßteichfest entwickelte. Die Veranstalter konnten mit dem zahlreichen Besuch zufrieden sein. 1950 wurden dabei 75.000 DM Gewinn erzielt. Dieser Betrag sollte der Wiederaufbauspende überwiesen werden, u.a. um die Schloßteichterrassen weiter auszubauen.

Ebenso war die Radsportgemeinde mit ihren unzähligen Fans regelmäßig am Schloßteich zu Gast. Am 1. Mai jedes Jahres fand das Radsportkriterium „Rund um den Schloßteich“, schon von Anfang an mit internationaler Beteiligung, statt. Bis zu 40.000 Zuschauern säumten die Straßen. Auch die internationale Friedensfahrt hatte mehrfach in den 50er Jahren Chemnitz als Etappenziel. Und den Schloßteich als Start- und Zielort, ebenso die Erzgebirgsrundfahrt. 1956 wurde bei der DDR-Rundfahrt ein Einzelzeitfahren von Zwickau zum Chemnitzer Schloßteich über 50km ausgetragen.

Auf der Schloßteichinsel war 1954 der Musikpavillon nach Plänen von Architekt Rudolf Weiser errichtet worden. Die kleine Freilichtbühne fand regen Zuspruch und wurde zu verschiedenen Konzerten und Veranstaltungen u.a. bei den Schloßteichfestwochen genutzt.

Ein Zeitzeuge beschreibt die Stimmung so:

Seit einer Woche feiern wir unser Schloßteichfest, bei dem man nicht gern einen Abend versäumt. Das hat auch seinen guten Grund! Zum sechsten Male erst erstrahlen in diesem Jahr die grünen Ufer des lieblichen Gewässers — was wir hier bescheiden Teich nennen, wäre in Berlin natürlich ein See — des Abends im Licht von einigen tausend bunten Illuminationslämpchen. Kreisende Scheinwerfer tauchen haushohe Fontänen erst in grünes, dann in rotes, dann in weißes Licht. Wie ein gläserner Dom aber ist der Leuchtbrunnen anzusehen aus dessen Mitte pastellfarbene Strahlenbündel in das springende Wasser gerichtet sind. Wirklich, glauben Sie mir, es ist alles wunderschön gemacht.

Man muß nicht jung und verliebt sein, um sich auch eine der vielen Gondeln zu mieten und zum neuerbauten Musikpavillon auf der Hauptinsel hinüberzufahren oder auf die Schwäne zuzuhalten, die auf den kleinen Inselchen bis lange nach Mitternacht nicht zur Ruhe kommen. Vorsichtig aber: das Motorboot der GST mit den Rundfahrtpassagieren hat natürlich Vorfahrt. Um die Zahl der bunten Lampions und Positionslichter vollzumachen, haben die GST-Leute während der Festwoche auch noch einen Fährdienst quer über den langen Teich eingerichtet.

Den schönsten Anblick bietet freilich das steilaufragende Nordufer. Die neuerbaute HO-Gaststätte „Miramar“ mit den strahlend hellen Veranden, daneben die neue Freilichttanzdiele mit den wirbelnden Paaren, daneben der renovierte Schloßgarten mit den mächtigen Kastanien und über allen, desgleichen in strahlendes Licht getaucht der Turm der uralten und nun wiederhergestellten Schloßkirche — das ist schon auch ein selten schönes Stück Landschaft. ein selten schönes Stück eben unserer deutschen Heimatlandschaft. (Rudi Rein – im August 1955)

Ein wertvoller Hinweis zum Bootsverkehr auf dem Schloßteich. Es ist bekannt, daß am 12. Juli 1959 das Motorboot „Einheit“ zu Rundfahrten startete. Aus Anlass des in Chemnitz stattfindenden V. Pioniertreffens, wurde das Motorboot 1964 in „Thälmann Pionier“ umbenannt und war bis 1990 in Benutzung.

Gegenüber des Schloßteiches wurden auf der Erich-Schmidt-Straße in den 50er Jahren mehrere Wohnblocks errichtet. Am Arndtplatz, an der Kreuzung zur Promenadenstraße entstand als prägnantes Gebäude in den Jahren 1959/60 das 10stöckige Hochhaus. Übrigens das erste Hochhaus der Nachkriegszeit im damaligen Karl-Marx-Stadt.

(Quellen: u.a. div. Ausgaben der Berliner Zeitung, Neues Deutschland und Neue Zeit – zu finden unter Zefys.de)

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