Lange Zeit bot das Städtische Schwimm-, Luft- und Sonnenbad im Zeisigwald für die Chemnitzer auf Grund seiner günstigen Lage und seiner für die damalige Zeit mustergültigen Bauweise die besten Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen, Sport zu treiben und zu schwimmen.

Mit der Entstehung des Deutschen Reiches nahm das Badewesen in Deutschland einen gewaltigen Aufschwung. Es bildeten sich Schwimmvereine, man erkannte die Bedeutung des Schwimmens hinsichtlich der Ausdauer und Widerstandsfähigkeit des Körpers, zur Stärkung der Muskeln, Atmung, der Herz- und Blutbewegung. Auch von ärztlicher Seite wurde auf die Reinigung und Desinfektion des Körpers durch Baden und Duschen, Einseifen und Abreiben hingewiesen. Tägliche Reinigung, wie wir es heute kennen, war damals auf Grund der Enge in den Mietskasernen und den fehlenden Bädern, nicht selbstverständlich. Auch deshalb entstanden öffentliche Badeanstalten mit Duschen, Wannen -und Schwitzbädern. Luft und Sonnenbäder dienten in den industriellen Ballungszentren am Beginn des 20. Jahrhunderts zur Erholung, zur Bewegung und Spielen in freier Natur, zum Turnen an bereitgestellten Sportgeräten, abseits der engen Straßen. Sie wurden meist in waldnaher Umgebung eingerichtet.

So auch das Zeisigwaldbad.

Es wurde im Jahre 1908 inmitten herrlichsten Baumbestandes an der Forststraße für 60.000 Mark errichtet, direkt neben der bereits 1894 angelegten Waldspielwiese.

Die Anlage war zur damaligen Zeit noch streng nach Frauen und Männern getrennt, wie der Grundrissplan zeigt. Oben der Bereich für die Damen, unten für die Herren. Darin zwei 8 m × 15 m großen Becken, jeweils 0,40-1,40,m tief. Die Luftbadbereiche wurden mit blickdichten Holzblanken voneinander getrennt, galt es noch als unzüglich, sich frei dem anderen Geschlecht zu zeigen. Auch gab es nach dem 1.Weltkrieg einen separaten Bereich für Kriegsbeschädigte und ein Nacktabteil für beide Geschlechter.

1926 folgte die Erweiterung des Bades mit einem 20 m × 50 m großen Betonbecken umgeben von einer 1,40 m breiten Fußspülrinne. Dazu entstanden ein 3-Meter-Turm und ein 1-Meter-Brett. Die Wassertiefe betrug 0,90-2,00 m im Becken und 3,20 m unter dem Sprungturm. Die Wassertemperatur betrug im Mittel 18°C, da es von natürlichem Quellwasser (Zuleitung vom Blaubornteich) aber auch mit städtischen Trinkwasser gespeist wurde. Die Liegewiese wurde auf fast 3.500 m² vergrößert, ein 500 m² großer Sport- und Spielplatz mit Klettergerüsten, Turngeräten und Sprungbahn und ein Badrestaurant erhöhten die Annehmlichkeiten des Aufenthaltes.

Der körperlichen Reinigung dienten je ein Waschraum für Männer und Frauen mit den erforderlichen Brausen. Zur dauernden Auffrischung des Beckenwassers wurde eine Wasserreinigungsanlage betrieben. Auskleidegelegenheiten boten 120 Einzelzellen, 298 gut verschließbare Kleiderschränke und eine große Garderobeabgabe. Das Bad konnte täglich 2000 Badegäste aufnehmen.

Illustration aus dem Chemnitzer Bäderführer

In diesem Zuge wurde auch die Geschlechtertrennung aufgehoben. Dies bescherte dem Bad einen großen Zuwachs der Besucherzahlen. 1931 waren es 133.000 zahlende Gäste, denen auch für Ihre Fahrzeuge ein bewachter Parkplatz zur Verfügung stand. Mit all diesen Einrichtungen galt es Anfang der 30er Jahre als eines der Schönsten von Sachsen.

Um 1930 wurde es an den Betreiber W. Kühnert verpachtet und als Kurrestaurant, Luft- und Schwimmbad Zeisigwald betrieben.

Eingangsbereich 1957

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bad leider zerstört, nur die Becken waren noch größtenteils erhalten. Der dringende Bedarf an Sport- und Erholungsstätten löste 1953 Aktivitäten zum Wiederaufbau aus. Mit städtischen Mitteln in Höhe von 80.000 Mark und freiwilligen Arbeitseinsätzen wurde das Bad in einen benutzungsfähigen Zustand versetzt, am 9.August konnte die Wiedereröffnung erfolgen. Das Bad erfreute sich fortan großer Beliebtheit. Bis 1983 schließlich die endgültige Schließung aus hygienischen Gründen nicht mehr vermieden werden konnte: die Wasserqualität konnte nicht mehr gewährleistet werden, die nötigen Sanierungsmaßnahmen überstiegen die finanziellen Möglichkeiten. Nach 1983 wurde die Anlage zurückgebaut und verschwand aus der Liste der städtischen Freibäder. Inzwischen ist vom Zeisigwaldbad nichts mehr übrig, lediglich eine große Senke im Wald lässt auf die einstige Position des großen Schwimmbeckens schließen.

(Quellen: Badführer von Chemnitz 1933, Buch: Öffentliche Bade- und Schwimmanstalten – Dr.Carl-Wolff – 1923, Artikel aus Freie Presse 2003 – Autor W.Bausch, Erzgebirgsverkehr 1935-1936, Das Buch der Stadt Chemnitz 1926)

Menü schließen