In diesem Jahr findet man nur einige wenige Hinweise auf stattgefundene Ballonfahrten mit Chemnitzer Beteiligung. Der unfreundliche Frühling und Sommer in diesem Jahr wird wohl eine Ursache gewesen sein. Vielleicht sind es auch andere Gründe, die wir wohl bei der Betrachtung der Chemnitzer Luftfahrtgeschichte nie in Erfahrung bringen werden.

Die erste Auffahrt fand am 14.Mai 1896 wieder vom Garten des Gasthauses „Linde“ statt. „Um 6 Uhr erhob sich der 400 Kubikmeter fassende Ballon „Chemnitz“ unter dem üblichen Tusch der von der Blüthgen‘schen Kapelle gestellten Musik in die Lüfte und nach halbstündiger Fahrt, wobei ein Höhe von 2400 Meter erreicht wurde, landete Herr Feller unter schwierigen Verhältnissen um ½ 7 Uhr im Luftlinie 30 km entfernten Blumenau bei Zöblitz.“ Die ungewöhnlich starke Luftströmung sorgte für diese kurze Fahrt. Mit durchschnittlich 1km pro Minute war es eine respektable Leistung zu dieser Zeit, entsprechend holprig wird wohl die Landung erfolgt sein. Mit dem Zug kehrte er abends in den „Lindengarten“ zurück.

Auch der Wirt des „Colosseums“ auf der Zwickauer Straße (das spätere Volkshaus) Richard Lorenz lies es sich nicht nehmen, eine Ballonauffahrt zu organisieren. Für den 16.August hatte er als einmalige Auffahrt inseriert, die Kapelle des Herrn Musikdirektor Neubert sollte dazu konzertieren. Doch auf Grund des ungünstigen Wetters musste diese ausfallen und wurde auf den nächsten Sonntag verschoben. Die Vorzeichen standen auch an diesen 23.August 1896 sehr schlecht, doch am Nachmittag zog der Himmel auf. Punkt 6 Uhr konnte Richard Feller mit dem Ballon „Chemnitz“ vom Garten des „Colosseums“ starten. Wie üblich stand er auf dem Rand der Korbgondel und winkte mit einer Fahne dem Publikum zu, als sich der Ballon in die Lüfte erhob. Programmgemäß lies er in einer Höhe von 500m Kriegstauben aus der Gondel ab und landete nach genussreicher Fahrt 18:30 Uhr in Krumhermersdorf bei Zschopau. Bereits eine Stunde später trat er von Waldkirchen aus die Rückreise an.

Eine Woche darauf, am Wochenende 29./30. August, waren Paul Spiegel und Richard Feller nach Halle an der Saale gereist, um mit dem großen Ballon „Wettin“ aufzusteigen. „Die Landung erfolgte glücklich merkwürdiger Weise in dem Orte, dessen Namen der Ballon trägt und dessen Burg das Fürstenhaus der Wettiner entstammt. Hierdurch wurden die Luftschiffer angeregt, unserm König Albert die Landung telegraphisch anzuzeigen. Kurz darauf traf an Herrn Paul Spiegel und Herr Richard Feller vom König folgende telegraphische Antwort ein: ‚Ich danke für den mir zugegangenen freundlichen Gruß. Albert‘. Bekanntlich hatte der König im vergangenen Jahr daß dem Riesenballon der Name ‚Wettin‘ beigelegt werde. Bereist sechs Auffahrten sind mit demselben ausgeführt worden, an denen  sich 25 Passagiere betheiligten.“ So der Generalanzeiger für Chemnitz vom 04.09.1896.

Über diese Fahrten berichtete ich bereits im Artikel: 1895 – 2 neue Ballone am Himmel

Die letzte Auffahrt für Chemnitz erfolgte dann am 7.September, abermals vom Garten des „Colosseums“ aus. „Herr Feller fuhr um ½ 6 Uhr Nachmittags auf und landete von der Luftströmung in südöstliche Richtung getrieben, gegen ½ 7 Uhr wohlbehalten auf der Oberhermersdorfer Flur und zwar in der Nähe des Adelsberges.“

Auch andere Orte kamen in den Genuß dieses Schauspiels, eine Ballonauffahrt zu erleben. Am Sonntag den 20.September reiste Feller mit dem Ballon „Chemnitz“ nach Plauen, wo er vom Garten des Etablissements „Freundschaft“ aufstieg. Bei dieser Auffahrt erreichte der Ballon eine Höhe von 2150m, die Landung erfolgte in der Nähe von Herlasgrün.

Das nächste Jahr sollte wieder eine Vielzahl von Aufstiegen in Chemnitz bringen. Davon demnächst mehr. (Quellen: Div. Ausgaben des Chemnitzer Generalanzeigers April-Sept 1896 – zu finden unter SLUB-Dresden.de)

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