Feldschlößchen Brauerei – Braustolz

Werfen wir einen Blick auf ein Stück Chemnitzer Brauereigeschichte. Das Entstehen und Gedeihen der ehemaligen Feldschlößchen-Brauerei im Kappelbachtal möchte ich Ihnen geschichtlich näher bringen.
Der Altendorfer Guts- und Ziegeleibesitzer Friedrich August Kupfer meldete am 19. März 1868 beim Königlichen Gerichtsamt Chemnitz sein „Braugewerbe auf eigenem Grund und Boden im Kappelbachtal“ an. 1876 verzeichnet das Adressbuch der Vororte von Chemnitz als neue Besitzer die Fa. „Böttger und Comp., Chemnitzer Feldschlösschen-Brauerei Kappel“ Reinhard Böttger und Gustav Hermann Pleißner. Mit Wirkung vom 1. Februar 1889 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens zur Kapitalgesellschaft „Chemnitzer Feldschlößchen-Brauerei-Aktiengesellschaft zu Kappel bei Chemnitz“ mit einem Stammkapital von 450.000 Mark. 1890 betrug das jährliche Produktionsvolumen bereits 16.000 Hektoliter Bier. 4 Herren (Johannes Litter – Bautzen als Vorsitzender, Theodor Rüdiger – Chemnitz als stellv. Vorsitzender; Gustav Hase – Blasewitz; Eduard Krumbiegel – Kappel) saßen zur damaligen Zeit im Aufsichtsrat der aufstrebenden Brauerei.

Durch Erweiterungsbauten und maschinelle Ausbauten aller Art wurde die Brauerei von Jahr zu Jahr leistungsfähiger und gehörte zu den modernsten Betrieben von Chemnitz und Umgebung. Es wurden im Jahre 1895 eine neue Kühlanlage geschaffen, Gärkeller sowie Sudhaus wurden verbessert. Im Jahre 1898 brannte der alte Lagerkeller über dem Bach ab. Aus dem Brandkassenerlös wurde nach dem Hang zu ein neuer Lagerkeller sowie Eiskeller gebaut.
Zeither gehörte das Grundstück zur Gemarkung Altendorf. Mit der Eingemeindung von Kappel im Jahr 1900 änderte sich der Firmenname in „Feldschlößchen-Brauerei-Aktiengesellschaft zu Chemnitz-Kappel“. Als Firmenadresse schrieb man jetzt „Am Feldschlößchen Nr.18 “. Neuer Direktor wurde Kaufmann Paul Theodor Wagner.

Mit dem Erwerb der Mehrheit des Aktienkapitals verband Wagner die Forderung nach Verkauf eines größeren Areals Land des bisherigen Brauereigeländes an ihn zur Errichtung einer Villa. Den Planungsauftrag erhielt der mit der Familie Wagner befreundete Chemnitzer Architekt Wenzel Bürger. Auf dem damals ca.15.000 qm großen Gelände entstand nach den Plänen des Architekten 1907/1908 die Villa als Jugendstilgebäude, die wir auch heute noch dort finden.
Durch fortgesetzte Verbesserungen und Vergrößerungen wurde die Brauerei Stück für Stück modernisiert, so entstanden 1906 eine neue Malzdarre und 1907 ein Kesselhaus mit Schornstein.

Annonce aus den Chemnitzer Neuesten Nachrichten von 1914

Postkarte um 1910

Unter der Leitung von Paul Wagner hatte man es verstanden, durch ein vorzügliches Produkt ihren Kundenkreis und dadurch den Absatz seit Gründung um das Zehnfache zu steigern. Ihre Faß- und Flaschenbiere erfreuten sich in Chemnitz und der Umgebung großer Beliebtheit. Auch die brauereieigene Gaststätte gleich nebenan, die man verpachtete, sorgte dafür. Zu den Spezialitäten zählte vorzügliches Kappler Extra, Kappler Pilsner und das Eisenbier Ferrmaltan. 1914 hatte man dazu eine “Eisenbier -Vertriebs-Gesellschaft m.b.H.” in Chemnitz gegründet, in der Wagner das Reichspatent Nr. 261305 zur Herstellung einbrachte.

Während des 1. Weltkrieges mußte die Brauerei sämtliche Kupferleitungen abgeben und durch Eiserne ersetzen. Nach dem Kriege und der Inflation begann der weitere Aufstieg des Unternehmens.

Luftbild der Brauerei von 1928 – links die Wagner’sche Villa

Diese steigende Entwicklung wurde noch gefördert, als die Feldschlösschen-Brauerei AG am 24. April 1922 eine Interessengemeinschaft mit der Brauerei zum Felsenkeller in Dresden-Plauen einging, damit das Verbreitungs- und Absatzgebiet erweiterte.
Die Mälzerei wurde in eine pneumatische Mälzerei umgewandelt. Der Gärkeller wurde zur Vergrößerung mit modernen Borsari-Bottichen ausgestattet. Zur Vergrößerung des Lagerraumes wurde eine 5.500 hl große Tankanlage geschaffen. Zuletzt wurden für Faß- und Flaschenreinigung, und zum Abziehen des Bieres auf Faß und Flaschen und Aufbewahrung erweiterte Räume geschaffen, die mit den modernsten Maschinen ausgestattet waren. Mitte der 20er Jahre fanden über 100 Arbeiter und Angestellte Lohn und Brot in der Brauerei und beim Ausliefern des wohl-bekömmlichen Getränkes. 1933 starb Paul Wagner, Nachfolger wurde der Chemnitzer Kaufmann Theodor Heß.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges, der zur Zerstörung des Gärkellers führte, lieferte die Brauerei jährlich etwa 40.000 Hektoliter Bier aus.

Im Sommer 1946 wurde die Feldschlösschen-Brauerei enteignet.
1952 erfolgte ihr Zusammenschluss mit der Schlossbrauerei zum VEB Vereinigte Brauereien Chemnitz. 1968 wurde ihr die Funktion des Stammbetriebes im neu formierten volkseigenen Getränkekombinat übertragen. Im Juli 1990 erhielt sie als Feldschlösschen-Brauerei GmbH den Status einer Kapitalgesellschaft. Seit 1991 zur Kulmbacher Gruppe gehörend, wurden zirka 40 Millionen Mark in die Modernisierung, Verbesserung und Erweiterung des Unternehmens investiert.
Der jährliche Bierausstoß betrug noch 2003 mehr als 160.000 Hektoliter.

2013 begann der Anfang vom Ende. Seitdem werden die Biere der Marke Braustolz von der Sternquell-Brauerei in Plauen-Neuensalz gebraut und abgefüllt. Nur Verwaltung, Sudhaus und Eventlager blieben in Kappel erhalten. 2017 dann das endgültige Aus und der Verkauf an einen Investor.

Abrissarbeiten prägend derzeit das Gelände. Laut dem Investor wird die Brauerei zu einem Wohnkomplex umgebaut, ein Großteil der denkmalgeschützten Gebäude bleibt und wird in das Konzept integriert. In ein paar Jahren, geplante Fertigstellung 2025, wissen wir mehr.
(Quellen: Artikel von W.Bausch in der FP 2003; Annoncen in Deutschlands Städtebau – Chemnitz – 1923 u. 1929; Adressbücher der Vororte und der Stadt Chemnitz zu finden unter SLUB-Dresden.de u.a.; mehr Infos zur Marke unter Braustolz.de)

Gesamtansicht aus den 20er Jahren
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