Felix Laitsch

Ein weitgehend unbekannter Chemnitzer. Doch eine Persönlichkeit, die es verdient hat, gewürdigt zu werden.
In den deutschen Anfangsjahren der Fliegerei ab 1910 gehörte Felix Laitsch zu den Pionieren der Luftfahrt, früher noch als Aviatik bezeichnet.

Sein Lebensbild:
Felix Laitsch wurde am 4.Oktober 1882 in Reichenbrand bei Chemnitz geboren.
In Chemnitz besuchte er die Realschule, die er mit dem Reifezeugnis verließ, um darauf nach einer zweijährigen Lehrzeit in einer Maschinenfabrik sich an der Königl. Gewerbeakademie Chemnitz als Ingenieur ausbilden zu lassen. In 7 Semestern absolvierte er dieselbe und trat dann als Maschinenbauingenieur in die Praxis. Zunächst wandte er sich dem Werkzeugmaschinenbau zu, in Chemnitz fast selbstverständlich, denn die vielen lokalen Unternehmen benötigten gut ausgebildetes Personal.

Schon bald verschlug es ihm nach Berlin, wo er als Ingenieur bei der neuen Automobilgesellschaft Energie Berlin mit dem Bau von Maschinenanlagen für Luftschiffe und Flugzeugmotoren konfrontiert wurde. Im Verlaufe seiner Tätigkeit hatte er Gelegenheit, sich hervorragend an dem Bau der Parseval-Luftschiffe „P.2“ und „P.3“ zu beteiligen, deren gesamte Maschinenanlage er konstruierte.

Laitsch bei einem Flug 1911

Häufig besucht er den Flugplatz Berlin-Johannisthal und erlebt dort Flugvorführungen bekannter deutscher und ausländischer Piloten. Dadurch reift bei ihm im Frühjahr 1910 der Entschluß, sich selbst eingehend mit der Flugtechnik zu beschäftigen.
Im März 1910 geht er nach Frankreich und erwirbt bei der Firma Villancourt einen Voisin-Zweidecker. Mit ihm absolvierte er zwischen März und Juli er die Flugschule Mourmelon-le-Grand, einer der großen französischen Fliegerschulen, was ihm 2000 Francs kostete.
Am 11.Juli 1910 erwirbt Laitsch dort sein französisches Fliegerzeugnis und kehrt nach Deutschland zurück. Am 5. August 1910 legte er in Berlin das 19.deutsche Flugzeugnis überhaupt ab. Seinen Wohnsitz hatte er in der Keplerstraße 1 in Berlin-Oberschöneweide.
Bereits zwischen dem 7. und 13.08.1910 nimmt er an der Nationalen Flugwoche mit seinem Voisin-Doppeldecker mit 50 PS-Motor in Berlin-Johannisthal teil.
Am 4.September 1910 beteiligt er sich am nächsten Flugtag in Johannisthal um die ausgesetzten 2 Wurfpreise, muss aber nach 1 ½ Runden wegen Motorversagen aufgeben.

Felix Laitsch auf seinem Albatros-Doppeldecker

Auch an der nächsten Berliner Flugwoche zwischen vom 7.-16. Oktober des Jahres nimmt er teil.
1910 wird er auch Mitglied des Vereins deutscher Flugtechniker e.V. in Berlin und ist in der Flugzeugführergruppe verzeichnet.
Er findet im Herbst eine Anstellung als Fluglehrer bei den Albatros-Werken in Berlin und fliegt entsprechend mit einem Albatros-Doppeldecker, mit mehr oder weniger Glück bei verschiedenen Flugveranstaltungen.
Den ersten großen Erfolg feiert er mit dem Gesamtsieg beim Rundflug durch Sachsen zwischen dem 20.Mai und 1.Juni 1911 mit Start und Ziel in Chemnitz. Insgesamt 41.000 Mark an Preisgeld gewinnt er dabei. Sofort avanciert er zum Helden der Lüfte in den Chemnitzer Blättern.

Den nächsten Hinweis finden wir am 1.7.1911 in Köln, wo er beim 1. Deutschen Rundflug um den „B.Z.-Preis der Lüfte“ auf der Merheimer Heide teilnimmt.

Am darauffolgendem Wochenende (7.7.1911) wird er Vierter beim Flug über den Harz.
Auch nach der Übernahme der Flugschule der Albatroswerke durch die Luftverkehrsgesellschaft (L.V.G.) bleibt er als Fluglehrer tätig.
Beim Wettflug “Rund um Berlin” l9l2 zeigt Felix Laitsch mit Schauflügen seine Künste.
Anfang April 1913 startete er von Berlin-Johannisthal mit einem Passagier zum Deutschen Nationalpreis. Bei diesem Fernflug nach Königsberg in Ostpreußen wollte er sich um die ausgesetzte Monatsrente vom 3000 Mark der Nationalflugspende bewerben. Nach mehr als einer Stunde Flugzeit war er jedoch zu einer Notlandung bei Deutschkron gezwungen. Starke Böen herrschten, zudem war ein Zylinder des Motors undicht geworden.
Vom 25.5. bis 1.6.1913 wurde auf dem Johannisthaler Flugplatz auf sechs eigens dafür hergerichteten Startbahnen ein Flugzeugrennen veranstaltet, Felix Laitsch siegt im Wettbewerb „Eindecker unter 80 PS“ vor Bruno Hanuschke. Auch gewann er den Wettbewerb „Kürzester Auslauf“ mit knappen 50 Metern.
Am 25.Juli flog Laitsch auf L.V.G.-Doppeldecker mit 100 PS Mercedes-Motor von Johannisthal nach Posen. Eine Strecke von 230 km, die ohne jeglichen Zwischenfall in bester Weise absolviert wurde.
Vom 9.-14.August 1913 beteiligte er sich beim mit 50.000 Mark dotierten Ostpreußischen Rundflug. Am 30./31.8 Teilnahme am Rundflug um Berlin.
Bei der Herbstflugwoche am 5. Oktober in Berlin wird er Sieger beim ersten deutschen Rennen für schwere Eindecker.

Mehr und mehr werden Flugzeugführer mit ausgeschriebenen Stundenflügen für kriegsmäßige Leistungen herangebildet. Immer größer werden die Distanzen, an die sich die wagemutigen, ja fast besessenen Piloten wagen.

Am 27.Oktober 1913 startete Felix Laitsch in Johannisthal auf 100 PS L. V. G.-Mercedes-Doppeldecker mit einem Passagier, in der Absicht nach Frankreich zu fliegen. Doch er bricht sein Vorhaben ab.Schon am nächsten Tag wagt er ein neues Abenteuer. Im Rahmen des „Großen Preises der Nationalflugspende“ hebt Laitsch um 6:47 Uhr morgens von Berlin-Johannisthal Richtung Königsberg ab. Er traf auf sehr günstigen Wind und konnte schon 11:30 Uhr Königsberg passieren. Dann hatte er sich Petersburg als Ziel gesteckt, musste aber hinter Tauroggen (eine Stadt in Litauen) auf Grund dichten Nebels umkehren. Nach zweistündiger Kreuz- und Querfahrt erreichte er wieder das kurische Haff. An der Küste entlang flog er wieder zurück nach Königsberg, wo er wegen Benzinmangels an der Fliegerstation landete. Mit einer Flugdauer von 9 Stunden 23 Minuten stellte er damit einen neuen deutschen Dauerrekord auf. Unter damaligen Bedingungen eine bemerkenswerte Leistung!

Seit 1914 war Laitsch auch 1. Vorsitzender des „Bundes deutscher Flugzeugführer, E.V.“ Berlin-Johannisthal, scheute also nicht, auch Verantwortung zu übernehmen.

Die Auflistung vervollständigt die Teilnahme am Prinz Heinrich Flug vom 17.Mai bis 25 Mai 1914. Dort musste er wegen Kühlerdefektes aufgeben. Letzter Wettbewerb, bei dem man Laitsch’s Nennung findet, ist der Großer Preis beim Ostmarkenflug vom 20.-26.Juni 1914 – Nachfolger des Ostpreußischen Rundfluges – von Breslau bis Danzig.

Der Beginn des 1.Weltkrieges setzte der zivilen Luftfahrt ein Ende, alle Flugzeugführer mußten in den Dienst des Vaterlandes treten. Wo und wann Laitsch diente, konnte ich noch nicht erfahren. Bis 1917 wird er noch als Vorsitzender des „Bundes deutscher Flugzeugführer, E.V.“ geführt, vermutlich starb er noch im Jahre 1917.

Die Nationalflugspende in den Jahren 1912-1914 half wesentlich, die Entwicklung der deutschen Flugzeugindustrie voranzutreiben. In kurzer Zeit hatte man Enthusiasmus entfacht, den Rückstand gegenüber den europäischen Nachbarn aufzuholen. Felix Laitsch war maßgebend an dieser Entwicklung der Flugzeuge und Luftfahrt beteiligt. Wie er mußten zahlreiche Luftfahrtpioniere in den Wirren des 1. Weltkrieges ihr Leben lassen. Auch der Chemnitzer Flieger Gotthard Gruner, der bereits 1909 die ersten Gleitflüge in Harthau unternahm, starb 1916 im westlichen Kriegsschauplatz.
Gedenken wir diesen kühnen Fliegern und halten die Erinnerung fest.

(Quellen: Wie ich fliegen lernte und flog, Chemn. Tageblatt, 21.05.1911 Flugsport-Beilage; Peter Supf, Das Buch der dt. Fluggeschichte S.312; verschiedene Jahrgänge der Zeitschrift „Flugsport“; u.a.)