Das Areal des späteren Rosenhofes um 1947

Das ehemalige Gebiet des historischen Holz- und Roßmarktes, das heutige Areal des Rosenhofes, war durch die Bombenangriffe 1945 fast vollständig zerstört worden. Über 15 Jahre lagen die Flächen brach, nachdem die Trümmer der früher dort dichtbesiedelten Wohngegend beseitigt worden waren.
Als eines der ersten Projekte der innenstädtischen Bebauung in Großplattenbauweise wurde ab 1961 dieses gesellschaftliche Zentrum zwischen Markt und damaligen Fritz-Heckert-Platz als Wohngebiet mit Handels- und Dienstleistungseinrichtungen errichtet. Zweckmäßig und schön sollte es sein, was die Chemnitzer Stadtplaner mit ihrem Konzept entwickelten. Dazu gehörten Erholungsinseln im Häusermeer, Spielplätze, viel Grün, dazwischen Plastiken und Wasserspiele, am Rande Sitzplätze und kleine Restaurants, die zum Verweilen einladen sollten.
Doch bis es soweit war, vergingen noch einige Jahre. Das Baugebiet prägten zuerst aufgetürmte Erdmassen, Sandberge, Materiallager und Zementmischer.
Anfang September 1962 zogen die ersten Mieter ein, nur über Trampelpfade waren die neuen achtstöckigen, mit Fahrstuhl versehenen, Häuser  zu erreichen.

Freuen konnte sich diejenigen, die zur damalig noch herrschenden Wohraumnot, eine Zuweisung für die mit Bad, Zentralheizung, und teilweise Balkon ausgestatteten Wohnungen erhielten. Jede Familie mußte sich zudem verpflichten, 100 freiwillige Aufbaustunden zu erbringen.
Die Heizungsanlagen waren jedoch noch nicht ans Fernwärmenetz angeschlossen. Ein eigenes Heizhaus und ein Schornstein mußten her, um den ersten Winter zu überbrücken.
Die Häuser hatten später auch ehrenamtlich betreute Bibliotheken und in einer Ausleihstation konnten sich die Bewohner mit Werkzeug versorgen.
1963 begannen dann die Bauarbeiten an den vorgelagerten zweistöckigen Versorgungseinrichtungen. Es entstanden moderne Läden und Gaststätten, die links und rechts des Fußgängerboulevards unter Arkaden angeordnet waren.
Im darauffolgenden Jahr werden am Holzmarkt die Läden „Klarinette“, das Zweiradgeschäft „Start“, „Modestrumpf“, und „Haushaltsbasar“ und das Kinderkaufhaus „Pionier“ eröffnet. Ebenso wurde 1963/64 an der Bretgasse ein Waschstützpunkt gebaut, in dem sich die Frauen gern zu einem Schwätzchen trafen.

Alle diese Aufnahmen entstanden um 1965

Am 8.Mai 1965, 20 Jahre nach Kriegsende, erfolgte die Umbenennung von Holzmarkt in Rosenhof.

Hunderte Schüler machten sich an diesem Tag daran, 4000 Rosenstöcke aus Partnerstädten wie Tampere, Wolgograd, Mulhouse und aus Orten faschistischer Vernichtungslager, wie Buchenwald, Auschwitz, Lidice, u.a. zu pflanzen. Die Rosenstöcke wurden um ein eingelassenes Mosaik, eine Windrose mit Tierkreiszeichen darstellend, gruppiert.  Sie befand sich – ursprünglich mit Sonnenuhr – in der Mitte des neuen Areals. Der Name Rosenhof war damit geboren. Pünktlich zu den Feierlichkeiten zum 800jährigen Stadtjubiläum im Juni war der Fußgängerboulevard fertig geworden.

Am 1.Januar 1968 nimmt dann das mit einem Kostenaufwand von 3 Mill. Mark errichtete Stadtambulatorium und Kieferorthopädische Zentrum seine Tätigkeit auf. Ebenfalls 1968 wird mit dem Bau des 14-geschossigen Hochhauses ein baulicher Abschluß zur damaligen Wilhelm-Pieck-Straße geschaffen.

Am 14.Dezember 1968 eröffnet am Eingang Richtung Markt noch ein Gaststättenkomplex, in dem sich der „Güldener Bock“ und ein Molkereigeschäft befanden. Der Flachbau mit Laubentrakt erinnerte an den Ende des 16.Jahrhundert errichteten ältesten Chemnitzer Gasthof, der damals schon den Namen „Güldner Bock“ trug und sich in unmittelbarer Nähe befunden hatte. Die neue Gaststätte bekam als Symbol das Wandrelief eines springenden Ziegenbocks und ein aufgehängtes „güldenes Horn“. Die Gaststätte mit Bier-und Weinstube erfreute sich stets großer Beliebtheit. Ab Ende 70er-Jahre gab es dort dann noch die „Krusta-Stube”, in der man das DDR-Pendant zur Pizza verköstigen konnte.

1969 wird der modernisierte „Haushaltsbasar“ das erste „Fachgeschäft für moderne Hauswirtschaft“ in der DDR. Die 3 zur Auswahl stehenden Küchentypen konnten in der ersten Etage begutachtet, bestellt und gekauft werden. Als Geschäfte sind uns noch die Volksbuchhandlung, das Antiquariat, die Bildergalerie, die HO-Gaststätte „Espresso“ in der „Kosmos“- Tanzbar u.a. in Erinnerung.
Im gesamten Wohngebiet, inklusive der Blöcke an der Theaterstraße, wurden 890 Wohnungen gezählt, 190 allein im Hochhaus.
Für über 1000 Menschen war der Rosenhof Zuhause, aber auch für die Karl-Marx-Städter und ihre Gäste war er ein gern besuchter Ort zum flanieren, bummeln und Feste feiern. An den Wasserspielen sah man zahlreiche Kinder, die duftenden Rosenbeete luden zum Verweilen ein und man kehrte in den Gaststätten ein.

Der Rosenhof in seinem jetzigen Bild.

Mitte der 90er wurden die Häuser von der GGG saniert, aber auch die vielseitigen Handelseinrichtungen mussten sich einer Auffrischung unterziehen. Im Jahre 2000 wurde der alte Gaststättenkomplex an der Marktseite abgerissen, das neue Geschäftshaus mit dem „Café Türmer“ erbaut. Ebenso wurden bis 2001 die Ladengeschäfte auf der linken Seite erneuert und das Parkhaus neben der jahrelang leerstehenden Kosmos-Tanzbar errichtet.
2002 wurde auch das Areal aufgehübscht: 6500 m² Plattenbelege wurden neu verlegt, sechs Rosenbeete mit etwa 600 Rosen angelegt, 35 neue Bäume gepflanzt, 15 Mastleuchten und 2 neue Wasserbecken installiert.
Zahllose Geschäfte und Gaststätten kamen und gingen, eine Aufzählung kann jeder für sich selbst fortsetzen.
Mittlerweile ist wenig vom einstmaligen Stadtbild am Rosenhof übrig, Die Leuchtreklamen von IFA und NARVA, „Saison“ und „Lössnitz Bekleidung“ sind längst gefallen. Die Gewerbeflächen sind zwar vermietet, ein richtiges Zugpferd fehlt jedoch. Wenige Kunden verirren sich in diesen Bereich der Innenstadt. Abends nach Ladenschluß ist es erst recht trostlos.
Nur zur Weihnachtszeit füllt sich der Rosenhof, wenn viel Buden zum Markt aufgebaut werden und Besucher anlocken…
mehr Infos unter rosenhof-chemnitz.
(Quellen: div. Berichte aus der FP 2002; Buch Chemnitz – Karl-Marx-Stadt und zurück, Autor Udo Lindner 2001; Kleine Chronik von Karl-Marx-Stadt 1979; u.a.)