Dieser Ausspruch aus dem Buch Max und Moritz von Wilhelm Busch kann es nicht treffender darstellen, was sich am 9. August 1891 wieder in Chemnitz abspielte.

Für die Chemnitzer war der 1. Fallschirmsprung des Robert Feller am 12. Juli noch in Erinnerung. Viel wurde über dieses Ereignis und die gesundheitlichen Auswirkungen diskutiert und gemutmaßt.

Der Wirt des Colosseums, Richard Lorenz, hatte es noch einmal geschafft, Herrn Feller und seinen Mannschaft in seinen Garten einzuladen und den „Absturz“ zu wiederholen. Begleitet wurde diese Veranstaltung wieder von einem Konzert der hiesigen Militärkapelle.

Am 9. August 1891, am frühen Abend, stieg jedoch sein älterer Bruder Fritz Feller mit dem Assistenten Herrn Zieger in den Himmel. Robert Feller war nach seiner Landung in Altchemnitz wohl doch noch nicht so genesen, das er hätte diesen Sprung noch einmal ausführen können.

„Der Ballon wurde auch diesmal in fast genau östliche Richtung langsam über das Häusermeer getrieben, so daß der angekündigte Absturz wie schon früher in Frage gestellt schien. Dennoch wagte Fritz Feller nach einer Fahrt von 12 Minuten denselben. Er hatte zwar schon mehr als 100 Auffahrten ausgeführt, aber vorher noch nie einen Fallschirmsprung unternommen. Dank des verbesserten Fallschirms gelang das halsbrecherische Wagestück auch vollkommen, denn Herr Feller gelangte aus einer Höhe von etwa 1200 Metern in 4 Minuten Fallzeit auf der Grenzstraße unweit der Kreuzung mit der Sonnenstraße im Hofraum des Neubaus Nr.27 ohne wesentliche Verletzungen wieder auf festen Boden. Hunderte von Zuschauern hatten sich an der Niedergangsstelle versammelt und begrüßten den waghalsigen Luftschiffer mit brausenden Hochrufen.“

Der Ballon trieb weiter bis in die Nähe von Niederlangenau bei Brand, etwa 2 Stunden von Freiberg entfernt, wo er nach weiteren 40 Minuten unter großem Menschenauflauf landete. Bis in eine Höhe von 3000m war er dabei gestiegen und Temperaturen von gerade einmal 4° C wurden gemessen.

Auch andere Lokale in der Umgebung versuchten, aus den Auffahrten Kapital zu schlagen und annoncierten. Hier eine aus dem Jahr 1892 vom hoch an der Stollberger Straße gelegenen Restaurant Wind.

Spät abends kehrte Zieger, noch ohne Ballon, zum Colosseum zurück, wo beiden Luftschiffern begeisterte Ovationen dargebracht wurden. Der 2. Fallschirmsprung war geglückt, die Ausführenden wurden mit musikalischen Tuschs und Blumenspenden an diesem Abend reichlich bedacht, der Ballon noch weitere Tage zur Besichtigung ausgestellt.

Dies sollte für die nächsten Monate der letzte Ballonaufstieg in Chemnitz gewesen sein. Erst am 18. September 1892 stieg Richard Feller gemeinsam mit Paul Spiegel wieder vom Garten des Colosseums auf. „Gegen 6 Uhr erhob sich der riesige Ballon Leipzig, mit den beiden Insassen in die klare durchsichtige Luft, um nach kurzer Fahrt nach Westen die Richtung nach Südosten einzuschlagen. Nach etwa halbstündiger Fahrt, welche die Reisenden bis 2400 Meter Höhe führte landeten dieselben glücklich in unmittelbarer Nähe eines zu Glösa gehörenden Bauernhofes und trafen um 8 Uhr mittels Droschke wieder am Auffahrtsorte ein.“ So die knappe Mitteilung in der Presse.

Natürlich waren diese Auffahrten nicht immer wohlwollend von den Mitbürgern zur Kenntnis genommen worden. Da musste natürlich gleich von Amtes wegen eingeschritten und reglementiert werden, wie dieser Artikel vom Mai 1892 zeigt. Vielleicht auch ein Grund, warum 1892 fast keine Auffahrten zu verzeichnen sind.

1893 wurde dann wieder ein sehr ereignisreiches Jahr, das ich im nächsten Artikel der Chemnitzer Luftfahrtgeschichte vorstelle.

(Quellen: Diverse Ausgaben des Sächsischen Lokal-Anzeigers für Chemnitz und Umgebung 1891/1892 – zu finden unter SLUB-Dresden.de)

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