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Vertane Chance

    Die Installation, aus der gelegentlich Wasser sprudelt, wurde am heutigen Mittag in Betrieb gesetzt.

    Kein Wort mehr von „Manifold“, dem Phantasienamen für das Projekt, das in den letzten Wochen auf dem Chemnitzer Markt entstanden ist.

    Ich nenne es bewusst nicht Brunnen, denn was heute eingeweiht wurde, hat nichts mit einem Brunnen zu tun, sondern ist die hilflose Umsetzung eines zweimal ausgelobten Wettbewerbs zur Marktplatzgestaltung, der nun endlich seinen Abschluss findet. So jedenfalls sieht es die Chemnitzer Stadtverwaltung.

    Die Bürger werden es in den nächsten Wochen und Monaten kritisch beäugen. Erfüllt es die hochgesteckten Erwartungen, die schon bei der Vorstellung prognostiziert wurden? Es soll ein Anziehungspunkt werden, der zum Verweilen einlädt, hieß es von den Verantwortlichen. Auf den geplanten Trinkwasserbrunnen wurde bereits verzichtet.

    Heute kann man schon von einem kurzen Aufflackern des Interesses sprechen. Mit so viel Zuspruch hatten die Organisatoren nicht gerechnet. Mit einer mickrigen Mikrofonanlage versuchte der Baubürgermeister, H. Stötzer, die mehreren hundert Zuschauer zu informieren. Wer etwas hören wollte, musste sich zumindest der Bühne nähern.

    Kurz auf den 2002 erstmals ausgerufenen Wettbewerb eingehend, kam er schon schnell zum 2. Wettbewerb und den 3 Gewinnern, aus dem der Entwurf „Manifold“ (soviel wie „vielfältig“) ausgewählt wurde. Es folgten Danksagungen für die am Projekt beteiligten Firmen und Personen.

    Auch konnte der Installateur, nennen wir ihn kurz Herrn W. aus N. sein Werk kurz interpretieren. Was er leider bis heute nicht kann, und die Stadt und Jury damit leben muß, das man sie getäuscht hat.

    Zitat:“ W. spielt mit kreiselförmigen Elementen. Diese, die Fassaden der umstehenden Häuser und die Besucher spiegeln sich zudem auf der Wasseroberfläche, womit die Wahrnehmung des Stadtraumes hinterfragt wird.“ so wurde es im Mai 2019 vorgestellt. Diese „Installation“ hat rein gar nichts mit der Tradition des Chemnitzer Maschinenbaus zu tun, auch werden sich hier die Chemnitzer nicht wiedererkennen… wie er heute noch zum Besten gab.

    Als nach einem dreimalig ausgerufenen „Wasser marsch!“ das Wasser sprudeln sollte, tat es das nicht gleich, sondern nach und nach wurde jede einzelne Stele mit Wasser beaufschlagt. Gerade 2 Säulen laufen kurz gleichzeitig zusammen, das Programm der Brunnenanlage setzt da wohl Grenzen oder hat erhebliches Optimierungspotential. Enttäuschend, das nicht einmal alle 4 Säulen gleichzeitig liefen.

    Die langen Stillstandszeiten der außer Betrieb befindlichen Säulen weckte nur kurz Begehrlichkeiten bei den Umstehenden, schon schnell ließ das Interesse nach. Und nach 30 Minuten war schon wieder alles vorbei. Der Markttag, für die größtenteils älteren Gäste, ist da Interessanter… so kam es mir vor.

    Die Band „Stilbruch“ auf der Bühne versuchte wenigstens, mit Ihrem Auftritt die Gäste zum Verweilen anzuhalten, doch nur wenige blieben. Aber auch die Einladung dieser Band spiegelt die desolate Organisationsgabe der Verantwortlichen wieder. Gut gemeint, aber für das anwesende Publikum gänzlich ungeeignet.

    Die Medienvertreter suchten unter den Übriggebliebenen noch Stimmen und Meinungen einzufangen. Meine ablehnende Meinung wurde vom Team des MDR entgegengenommen, ich denke aber, das diese nicht gesendet wird.

    So zog ich ebenfalls von dannen und warte ab, wie es in 14 Tagen vielleicht in 4 Wochen aussieht. Schaut es Euch selber an und bildet Euch Eure eigene Meinung, aber eine Bereicherung für die Stadt Chemnitz wird es meiner Meinung nach nicht werden.

    So wurde es der Jury suggeriert, das Umgesetzte entspricht nur im Wesentlichen dem Entwurf (aus Freie Presse, vom 06. Juni 2019)

    Übrigens: für die Inbetriebnahme der Brunnenanlage „Saxonia“ auf dem sogenannten Johannisplatz, die weit mehr Eindruck hinterläßt, hat es nicht gereicht…sie steht „noch“ trocken da. Wie viele andere Brunnen, die aus Kostengründen in diesem Jahr nicht sprudeln werden und die Chemnitzer und ihre Gäste hätten erfreuen könnten…mehr als dieses Objekt. (Siehe dazu „Amtsblatt Chemnitz“ vom 08.April 2022)

    Eine weitere vertane Chance zur Neugestaltung der Innenstadt. Ein traditioneller Brunnen, mit abwechselnden Grün- und Sitzflächen hätte dem Markt besser gestanden.

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