Die Fortsetzung des ersten Teiles des Stadtteilportraits.

Ab etwa 1870 begann die Besiedlung an den Verbindungen zur Neefestraße, die Katharinenstraße, Blumenstraße (heute Hugo-Fuchs-Straße) ebenso die Goethestraße zur Zwickauer Straße wurden bebaut. Auf der anderen Seite wurde die Parkstraße ab 1880 zum Wohnort der ersten Villenbesitzer, die Nr. 1-6 sind ab 1881 in den Adressbüchern verzeichnet. In der Fortsetzung der Parkstraße entstand dann in den Jahren 1885/1886 die umfangreichen Zimmermann‘schen Naturheilanstalten unterhalb des Goetheplatzes Richtung Beckerstraße. Der Erfolg und die hohen Patientenzahlen führten dazu, dass 1903 ein zweites Gebäude im Heimatfachwerkstil an der Stollberger Straße Nr. 59 errichtet wurde.
Im Jahr 1887 wurde die Stollberger Straße erneut umnummeriert. Aufgrund der zahlreichen neu entstandenen Häuser und Grundstücke erhielten die Häuser auf der landwärts rechten Seite der Straße die geraden Hausnummern, die Häuser auf der linken Seite die ungeraden.

Auch wurde zu dieser Zeit das Gelände oberhalb des Goetheplatzes erweitert, die Hübnerstraße (jetzt Lortzingstraße) und Mozartstraße tauchten als weitere Verbindung zur Neefestraße 1887 erstmals im Adressbuch auf. Die stadtauswärtige Bebauung setzte rechtseitig sich bis ins sogenannte Musikerviertel fort.
Linkseitig oberhalb der Eisenbahnstrecke und des Restaurants „Zum letzten Seufzer“ entstand an der Stollberger Straße ab 1901 ein größerer Wohnblock, der von dem Architekten Wenzel Bürger entworfen wurde (Haus Nr. 19-21). Er plante, durch die Erschließung des Areals in Richtung Stadtpark ein größeres Villenviertel anzulegen, in dem auch Menschen mit geringem Einkommen die Möglichkeit zur Ansiedlung finden sollten. Die nach Entwürfen des Architekten geplanten Einfamilienhäuser in Gruppenbauweise sollten sich in den Rahmen des Geländes einfügen. Doch aus diesen Plänen wurde zunächst nichts. Erst Anfang der 1930er Jahre entstanden dort weitere Gebäude.
Bereits um 1900 hatten sich einige Wohlhabende, darunter Kaufleute, Fabrikbesitzer, Stadträte und Oberlehrer, an der Parkstraße ihren Traum vom eigenen Heim erfüllt. Diese Gegend rückte immer mehr in den Fokus der Chemnitzer Eliten. Entsprechend größer wurden nach und nach die Anwesen und Gebäude der neuen Besitzer. Zeugen davon sind bis heute die Villen von Artur Giehler (Nr. 29) und Oskar Kohorn (Nr. 33).
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ging es auch sportlich auf dem Kapellenberg zu. Die Familie des Strumpffabrikanten Esche, die ab 1871 auf der Stollberger Straße wohnte, besaß mehrere Grundstücke zwischen Katharinen- und Goethestraße, auf denen sie den damals neuen Tennissport ausübte. Bereits 1894 hatten sie den elitären Chemnitzer Lawn-Tennis-Club gegründet. Ein kleiner Holzpavillon zwischen den Grundstücken diente zunächst als Unterkunft. In den Jahren 1907–1908 wurde dann eine neue Platzanlage mit dreistöckigem Clubhaus nach Plänen des belgischen Architekten Henry van de Velde an der Goethestraße 9 errichtet. Er übernahm auch die Innengestaltung und die räumliche Ausstattung mit allen für einen Sportclub benötigten Einrichtungen.
Im Jahr 1945 zerstörten Spreng- und Brandbomben die entlang der Stollberger Straße und auf dem Kapellenberg entstandene Idylle. Nichts war mehr wie vorher: Zahlreiche Gebäude und Villen, die uns auch aus alten Ansichten bekannt sind, wurden zerstört. Lange Zeit waren die Ruinen noch sichtbar.
Erst nach deren Beseitigung entstand ab ca. 1959 eine ganz andere Wohnbebauung. Die Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften (AWG) waren freiwillige genossenschaftliche Zusammenschlüsse, die das Problem der Wohnraum- und Wohnungsnot lösen sollten. Zu diesem Zweck wurden zunächst standardisierte Mehrfamilienhäuser in handwerklicher Ziegelbauweise und später in Plattenbauweise errichtet, um die Arbeits- und Lebensbedingungen vorrangig für Werktätige zu verbessern.
Zwischen 1959 und 1962 entstand an der Stollberger Straße, Neefestraße, Goethestraße, Katharinenstraße, Lortzingstraße und Mozartstraße ein großes Wohngebiet mit Blöcken vom Typ Q25. Ab 1962 wurden die Wohnblöcke vom Typ Q6 an der Schubertstraße und Lortzingstraße sowie die Wohnblöcke Stollberger Straße 77–99 errichtet. 1974 wurde mit den Häusern Stollberger Straße 54–68b die Großplattenbauweise mit dem Typ P2 fortgeführt.
Im Jahr 1990 übernahm die Sächsische Wohnungsgenossenschaft Chemnitz eG (SWG) in mehreren Stadtteilen u.a. auch am Kapellenberg – den Gebäudebestand ehemaliger Genossenschaften. Die stufenweise Sanierung führte zu einer Aufwertung der Wohngebäude. Sie bilden bis heute einen wichtigen Bestandteil des genossenschaftlichen Bestandes der SWG.
Hinzu kamen Lückenbebauungen durch private Investoren und Eigentümer, die dem Viertel heute wieder eine aufstrebende Bedeutung verleihen. Lediglich der schrittweise Rückbau der Nahversorgung in den vergangenen Jahren stieß auf Unmut in der hier schon lange ansässigen Bevölkerung.
Quellen u.a.: Archiv der Chemnitzer Hobbyhistoriker; Buch „Vom Klosterdorf zur Industrievorstadt“ – Kappel 1999, Adressbücher der Stadt Chemnitz zu finden unter SLUB-Dresden.de