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Stadtteile vorgestellt – Der Kapellenberg Teil 1

    Erst seit 1992/93 gibt es – in Umsetzung eines Stadtratsbeschlusses zur Neugliederung der Stadtteile – den Stadtteil Kapellenberg, in dem auf einer 1,14 km² großen Fläche konstant etwa 5.300 Einwohner wohnen. Ich möchte an dieser Stelle die Grundzüge der Geschichte und Besiedlung nachzeichnen.

    Planausschnitt der Stadt – 1781 von Corp. Gottlieb Ferdinand Boehle gezeichnet

    Ende des 18. Jahrhunderts war der Höhenrücken zwischen der alten Niklasgasse im Westen und der Altchemnitzer Flur im Osten noch gänzlich unbebaut. An seinem Fuß stand die alte Nikolaikirche mit dem dazugehörigen Friedhof. Weiter draußen wohnte der „Scharfrichter“ auch „Abdecker“ in einem einzelnen Gehöft. Historische Überlieferungen bezeichneten den Höhenrücken als Hüttenberg. Er erhielt seinen Namen vom früher an seiner Flanke zum Flüsschen Chemnitz hin betriebenen Bergbau.

    Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) wurden zur Bezahlung eines Teils der Stadtschulden verschiedene Feldstücke u.a. beim Hüttenhof und bei der Scharfrichterei als Kommungrundstücke verkauft. Einzelne Feldbesitzer sind bereits im Trenkmann‘schen Plan von 1761 bezeichnet. Anfang des 19. Jahrhunderts begann man mit der Chaussierung der vorhandenen Kommunikationswege, die alte Poststraße über Neukirchen wurde zur Stollberger Chaussee ausgebaut. Ein sogenanntes Schlaghaus zur Erhebung des Wegegeldes stand bis ca. 1858 an der Stelle der neuen Eisenbahnlinie auf der stadtauswärts rechten Seite.

    Planausschnitt 1845 mit Schlaghaus und alter Nicolaikirche

    Um 1828 finden wir die ersten Häuser an der Stollberger Straße, die neue Nikolaivorstadt entwickelte sich. Ab ca.1840 tauchen auch zunehmend die Begriffe Deubners Berg und Deubners Weg oberhalb der Nikolaikirche als Zeichen der beginnenden Bebauung in historischen Plänen auf. Der Kattundrucker Joh. Karl Deubner, der aus einer Familie früherer Chemnitzer Stadtgerichtsassesoren (Beisitzer) entstammte, hatte dort mehrere Grundstücke erworben und sich auf dem Hüttenberg niedergelassen. Aus diesen Besitzverhältnissen stammte die bis ungefähr 1880 verwendete Bezeichnung der Anhöhe.

    1843 wurden die alten Grundstücke an der Stollberger Straße neu nummeriert. Als in den fünfziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Neefestraße angelegt wurde und einige Chemnitzer Einwohner an der Stollberger Straße Villen errichteten, schlug auch die Scheidestunde des Abdeckers. Er verlegte sein Gewerbe in die Nähe des Forsthauses im Zeisigwald.  Das Gut übernahm der Kaufmann C.A. Rudolph und richtete darin die Maschinenfabrik Rudolph und Beck ein, die nur bis 1867 bestand. Am Beginn der Neefestraße hatte sich zudem die Eisengießerei von C.H. Rockstroh angesiedelt, die jedoch in den 1870er Jahren ebenso wieder einging.

    Weiter draußen stand für die vorbeiziehenden Händler und Fuhrleute auf dem Weg nach Neukirchen und weiter nach Stollberg eine Pferdestation (Ausspanne), die wir ab 1838 als Leinerts Schankwirtschaft – später das Restaurant „Zum Wind“ – in Unterlagen finden. Als zusätzliche Attraktion des beliebten Ausflugslokals entstand 1892 der 30 Meter hohe Friedrich-August-Turm zu Ehren des sächsischen Königshauses. Dieser diente als Aussichtsplattform, wurde aber um 1911 – vermutlich aufgrund von Beschwerden der neuen Anwohner in den umliegenden Villen – abgetragen. Heute befinden sich an dieser Stelle die Wohnhäuser der Stollberger Straße 77-83.

    Zurück zur Entwicklung. Nach der Spende und dem Vermächtnis des Privatmannes Carl Christian Hübner erwarb die Stadt 1855 Teile der Deubner’schen Grundstücke und errichtete im folgenden Jahr das Johanneum, ein Heim für notleidende Kinder. Der damalige Bürgermeister Johann Friedrich Müller begründete 1857 einen Kapellenbaufonds für das Johanneum. Nach diesem Plan sollte auf dem höchsten Punkt des Johanneum-Grundstücks, der fortan „Kapellenberg“ genannt wurde, eine Kirche errichtet werden. Es kam jedoch nie zur Realisierung, aber die Bezeichnung blieb bestehen.

    Seit ca. 1886 ist sie auf Stadtplänen verzeichnet und seitdem im Sprachgebrauch geblieben. Das Johanneum selbst wurde 1926 nach Harthau verlegt. Im gleichen Jahr wurde eine Aufteilung des ehemaligen Grundstücks veröffentlicht, die Bebauung ließ jedoch noch einige Jahre auf sich warten. Lediglich die Straßen „Kapellenberg” (1928) und „Hüttenberg” (1933) wurden benannt.

    Um 1860 wurde für das Gebiet zwischen Stollberger Straße und Neefestraße ein Bebauungsplan erarbeitet und die ersten Straßen bis zum Goetheplatz abgesteckt. Erste Villen an der Stollberger Straße entstanden. Gut betuchte Chemnitzer Kaufleute und Aristokraten – Namen wie Hösel, Schwalbe, Esche, Vogel und Stärker sind vielen geläufig – ließen sich prächtige Gebäude auf großzügigen Grundstücken errichten. Das erste Gebäude am Goetheplatz war das 1862 errichtete „Bellevue“, das als Ballhaus und Gartenetablissement schnell bekannt wurde. Bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1945 gehörte es zu den beliebtesten Vergnügungsstätten der Stadt. An dieser Stelle entsteht derzeit das neue Geschäftsgebäude der SWG.

    Freuen Sie sich mit mir auf die Fortsetzung der historischen Betrachtung des Kapellenberges in einem der nächsten Beiträge.

    Quellen u.a.: Karten und Pläne aus dem Archiv der Chemnitzer Hobbyhistoriker; Buch „Vom Klosterdorf zur Industrievorstadt“ – Kappel 1999, Adressbücher der Stadt Chemnitz zu finden unter SLUB-Dresden.de