Das Flußbad Altchemnitz

Bereits 1839 wird die Gemeinde Altchemnitz im Geographischen Handbuch für das Kgr. Sachsen mit einem Flussbad erwähnt. Ob es das an der Schulstrasse gelegene Gelände ist, was dort genannt wird, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Die Chemnitz, die sich langsam durch das Tal schlängelte, bot vielfältigste Möglichkeiten, sich in den warmen Sommermonaten zu erfrischen. Dies sahen auch die Stadtväter bei der Anlage des Schwimm-, Fluß- und Luftbades und der Auswahl des Geländes in Altchemnitz. Der Teil des Stadtparkes unterhalb des Markersdorfer Hanges war für diese Bedürfnisse bestens geeignet und bot einen guten Platz zur Entspannung und Erholung von den anstrengenden Arbeitstagen in der Fabrikstadt Chemnitz. Anfang September 1922 wurde das Flußbad eröffnet, 1926 mit dem Wirtschaftsgebäude erweitert und schließlich bis 1928 wurden weitere 2,8 ha Wiesenfläche des Stadtparks für die Luftbadezwecke zur Verfügung gestellt. Um dem aufstrebenden Schwimmsport Rechenschaft zu tragen, wurde im Juli 1928 ein großes Schwimmbecken aus Beton in Betrieb genommen.

Unbeabsichtigt kam das Bad am 22.Juni 1930 in die Schlagzeilen, als die hölzerne Brücke, die beide Badteile verband, unter den Badegästen zusammenbrach und 133 Personen teils schwer verletzt wurden.

Schon 1931 nahm man als Ersatz eine Stahlbetonbrücke in Angriff. Die zum Luftbaden und zur sportlichen Betätigung bereitgestellte Fläche umfaßte  zu dieser Zeit rund 50000qm.

An dieser Stelle möchte ich die Original-Beschreibung des Bades aus dem Bäderführer Chemnitz 1933 wiedergeben:

“Die Stadt Chemnitz hat auf dem Gebiete des Sommerbadewesens ganz Vortreffliches geschaffen. Eine durchaus moderne Anlage, die allen Wünschen der Bevölkerung gerecht wird, ist das Schwimm-, Luft- und Flußbad Altchemnitz, das in freiem Gelände am Ausgange des Chemnitzer Stadtparkes gelegen ist und eine vom Großstadtlärm verschonte Erholungsstätte darstellt. Einen besonderen Anreiz bietet die Anlage dadurch, daß außer einem Schwimmbecken und riesigen Wiesengelände ein Flußbad im Chemnitzfluß genommen werden kann, der etwa in einer Länge von 200m durch das Badegelände fließt. Der Schwimmfreund findet hier also die Möglichkeit, sowohl im stehenden wie fließenden Wasser zu baden. Da das Bad aber auch sonst nach jeder Richtung hin den Anforderungen genügt, ja in der Anordnung als vorbildlich dienen kann, wir des von der Chemnitzer als auch auswärtigen Bevölkerung stark besucht. Im Jahre 1932 betrug die Besucherzahl 113.000 und 1931 sogar 123.000 Gäste. Zum Baden und Schwimmen dient in erster Linie ein betoniertes 50x20m-Becken (1.000 qm Wasserfläche), das mit Flußwasser gespeist wird. Die Wassertiefe beträgt 0,90 – 2,00 m, unter dem 3-m-Brett 3,20 m. Eine schmucke Sprunganlage weist je ein 1- und 3m – Brett auf. Um das Becken führt eine 1,40m breite Fußspülrinne, die mit Leitungswasser gefüllt wird. Eine moderne maschinelle Wasserreinigungsanlage (Umwälzverfahren) sorgt für dauernde Auffrischung des Beckenwassers, so daß auch bei größtem Besuch für gutes Wasser gesorgt ist. Die Wassertemperatur beträgt im Durchschnitt 18°C. Ein Waschraum mit Brausen steht zur Verfügung (Leitungswasser). Für die Kleinsten hat man ein Planschbecken geschaffen (50qm). Das Flußbad bietet insgesamt 3.360 qm Wasserfläche. Die den Fluß umgebenden Ufer sind schön gepflegt. Ein 1.000 qm großer Turn- und Sportplatz, teils Wiese, teils Sand, ausgestattet mit Kletterstangen, Barren, Reck, Sprungbahn, Hanteln, Kugel, Rundlauf usw. bietet Möglichkeiten zur körperlichen Betätigung. Eine Wasserballspieleinrichtung bietet Sportlern die Möglichkeit zum Abhalten von Wasserballspielen.

Eine Kleiderablage mit Wechselzellen, wobei die Kleidungsstücke auf Bügeln abgegeben werden, schafft Gelegenheit zur Unterbringung der Bekleidung. Ferner stehen 390 gut verschließbare Schränke zur Verfügung. Schließlich sind noch besondere Auskleideräume für Schulen und Vereine vorhanden, so daß insgesamt 3.500 Personen auf einmal untergebracht werden können. Geschultes Personal steht für den Ordnungsdienst bereit. Ein großes massives Gebäude mit Gaststube, Veranda und schönem Saal (auch während des Winters geöffnet), bietet Platz für 350 Personen. Ein vorgelagerter Strandplatz nimmt viele Hundert Gäste auf. Die Verpflegefrage ist natürlich in solch angenehmem Lokal sehr gut gelöst. Bewachte Parkgelegenheit für Wagen, Motor- und Fahrräder ist vorhanden. Nahes Ausflugsziel ist der Chemnitzer Stadtpark. Alles in allem: das Altchemnitzer Bad ist ein wahres Ideal unter den Chemnitzer Bädern.”

Lange Zeit war es für die Chemnitzer und Karl-Marx-Städter ein beliebtes Bad, bis das Hochwasser 2002 solche Schäden verursachte, das ein Weiterbetrieb nur mit großen Investitionsmaßnahmen möglich gewesen wäre.  Es wurde entschlossen, das Bad nicht wieder in Betrieb zu nehmen.

Das ehemalige Wirtschaftsgebäude, in dem sich auch zu DDR-Zeiten der Jugendclub befand,  wurde verkauft und als Wohnhaus umgebaut, wie die Ansicht von 2015 zeigt.

(Quellen: Bäderführer Chemnitz und weitere Umgebung 1933, Erzgebirgsverkehr 1935/1936, Verwaltungsbericht der Stadt Chemnitz 1928, Dresdner Neueste Nachrichten vom 23./26.06.1930, zu finden unter SLUB-Dresden.de)

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