Der Beginn des Flugwesens in Chemnitz 1909

Dem Motorflugwesen wurde in Deutschland Anfang des 20.Jahrhundert zunächst wenig Beachtung geschenkt. Daher sind auch die ersten bahnbrechenden Arbeiten auf diesem Gebiet im Ausland geleistet worden. Vor allem in Frankreich, England und den Vereinigten Staaten war der Erfindergeist zielführender bei der Konstruktion und Hersteller der ersten motorbetriebenen Flugapparate.

Erst die Schauflüge ausländischer Piloten wie dem Amerikaner Orville Wright – die Wright Brüder absolvierten ihren ersten Flug bereits im Dezember 1903 am Strand von Kitty Hawk – und Anderer in Berlin steigerten das Interesse für das Flugwesen in Deutschland so weit, daß den deutschen Pionieren die allernötigsten Mittel zur Durchführung ihrer Versuche zur Verfügung gestellt wurden, erschwert aber noch durch fehlende Unterstützung durch die deutschen Behörden.

So waren es auch in Chemnitz einzelne Enthusiasten, die Ihre ersten Flugapparate bauten, und gestützt aus eigenen Erfahrungen, stetig weiter entwickelten, aber auch Rückschläge in Form von Abstürzen einstecken mussten.

 

Am Anfang standen u.a. 1909 die Flugversuche noch ohne Motor von Gruner und Günther in Harthau, die ich in diesem separaten Artikel  vorstelle.

Im selben Jahr war es der Gewerbeakademiker Max Schüler in Chemnitz, dem es gelang „mehrere wesentliche Verbesserungen von grundlegender Bedeutung für die flugtechnischen Apparate zu schaffen“. Der Opferwilligkeit Chemnitzer Bürger war es zu verdanken, daß Schüler nach seinen eigenen Entwürfen einen Eindecker bauen konnte, den er bereits im März 1909 im „Gasthaus zur Linde“ am Neustädter Markt (dem heutigen Theaterplatz) und dann auch im April in Plauen ausstellen konnte. Die darauffolgende Erprobung brachte die Erkenntnis, das der eingebaute Motor zu schwach war, das Flugzeug über größere Strecken zu tragen. Bei den Versuchen in Chemnitz erzielte Schüler als beste Leistung einen Flug von 1 Minute in 7 m Höhe.

Er ging, gestützt durch die Ausstellungseinnahmen und einer Spende des Berliner Vereins für Luftfahrt, nach Berlin-Johannisthal, um im Mekka der deutschen Flieger seine „Max Schüler Aeroplan-Fabrik“ zu eröffnen und an weiteren Projekten zu arbeiten, kehrte aber regelmäßig zu Flugversuchen auf den Chemnitzer Exerzierplatz zurück. Im Frühjahr 1909 war er bereits Mitglied im Verein Deutscher Flugtechniker Berlin, der die Förderung der ausübenden Flugtechnik, die Einrichtung von Flugversuchs- und Übungsfeldern u.a. als Ziele verfolgte.

Der Chemnitzer Exerzierplatz an der Zschopauer Straße wurde zum Probierfeld deutscher Flugzeugentwickler. Dort fanden nun regelmäßig Testflüge und auch Wettbewerbe statt, doch dazu später.

(Quellen: Versch. Artikel aus Burkhardtsdorfer Anzeiger, Sächsische Volkszeitung, Dresdner Neueste Nachrichten (1909-1910) zu finden unter SLUB-Dresden.de; Braunbecks Sportlexikon Ausgabe 1912, Buch „Die Sehnsucht zu fliegen“ von H. Teichmann, Artikel aus „Flugsport“ Jahrgang 1910, Buch „Das Wunder des Fliegens“ von F.L. Neher)

Der Exerzierplatz an der Zschopauer Straße - Auszug aus einem Chemnitzer Stadtplan von 1920