Der Küchwald wurde dem ehemaligen Benediktiner- oder Bergkloster (heutiges Schloß) wohl schon bei dessen Gründung als Eigenthum zugewiesen, die um das Jahr 1136 durch den deutschen Kaiser Lothar erfolgt sein soll, doch ist auch die Möglichkeit einer späteren Aneignung durch die in dieser Hinsicht bekanntlich nicht an allzu großer Genügsamkeit und Bescheidenheit leidenden geistlichen Herren nicht ganz ausgeschlossen. Für die größere Wahrscheinlichkeit der ersteren Annahme spricht indes der Umstand, daß sicher der ganze heutige Schloßberg und seine Umgebung mit Wald bedeckt gewesen ist, den man zwecks Gewinnung des Baugrundes für das Kloster und der nötigen Gärten und Ländereien wie anderwärts lichten mußte. Die um dasselbe naturgemäß entstehenden Ansiedelungen (die spätere Gemeinde Schloßchemnitz) nahmen sich einen weiteren Teil des ehemaligen Waldgebietes.

Ausschnitt des Trenkmannschen Planes des Weichbildes von Chemnitz 1756

Die Erklärung der Bezeichnung „Küchwald“ liegt sehr nahe, er war eben der Wald, der als der nächstgelegene und holzreichste für die Küche und wohl auch für die übrigen Räume des Klosters das Brenn- und Heizmaterial lieferte, also der Küchenwald, unter welchem Namen er denn auch früher nur vorkommt. In einer im Jahre 1494 von dem ersten Rektor der hiesigen lateinischen Schule Paulus Niavis oder (deutsch) Paul Schneevogel unter dem Titel „Idioma latinum“ verfaßten und herausgegebenen Beschreibung von Stadt und Kloster Chemnitz heißt es, daß der Wald um das Kloster herum, wo der Abt desselben dem Vergnügen der Jagd oblag, sehr reich an „Wildpret“ gewesen sei. In seinem hinteren Teile waren auch einige mit Fischen besetzte Teiche angelegt, welche den Klosterinsassen die allein erlaubte Fastenspeise zu liefern bestimmt waren, wozu freilich noch andere Gewässer, wie der Schloßteich, dienten.

Nach der endgültig im Jahre 1546, also 7 Jahre nach geschehener Einführung der Reformation in Chemnitz bzw. im damaligen Herzogtum Sachsen erfolgten Säkularisation des Klosters ging der Küchwald samt anderen Liegenschaften desselben in den Besitz des Staates über. 1590 wird er in alten Ratsakten als „Küchenwald hinter dem Schloß Kemnitz gelegen“ bezeichnet.

Von wichtigen Begebenheiten, deren Schauplatz der Küchwald gewesen wäre, ist freilich nur wenig zu berichten. Nur von zwei Exekutionen, die der Abt des Benediktinerklosters kraft der ihm nach damaligen Rechte auf dessen Grund und Boden zustehenden Gerichtsbarkeit im Küchwalde vollziehen ließ, erhalten wir Kunde. So meldet die Chronik unter dem Jahre 1523, daß der letzte Abt Hilarius von Rheburg einen Knaben im Alter von 15 Jahren „an der Waldecke hinter dem Kloster an der Peniger Straße“ habe aushängen lassen und daß im Jahre 1525 zwei Brüder Namens Drechsler auf Befehl desselben Abte auf gleiche Weise gerichtet worden seien. — Am 26. August 1761 wurde eine Frauensperson aus Altendorf, die in Rottluff ihr unehelich geborenes Kind getötet hatte, auf dem Amtsrichtplatze an der Peniger Straße am Küchwalde enthauptet. Die Karte zeigt den ungefähren Standort dieses Richtplatzes.

Aus „Chemnitz am Ende des 19. Jahrhunderts“

Ursprünglich wollte der Chemnitzer Rat nur einen kleineren Teil an der Flurgrenze erwerben, um einen Platz zu schaffen, auf welchem sich die Schuljugend ungehindert austummeln konnte und auf dem Volksfeste abgehalten werden konnten. Das sächsische Finanzministerium äußerte forstwirtschaftliche Bedenken gegen den Verkauf der Teilfläche des Waldes, erklärte sich aber bereit, wenn der Rat den ganzen Küchwald erwerbe, in Verhandlungen einzutreten. Diese Verhandlungen waren bereits Ende 1884 abgeschlossen und der Vertrag von allen Seiten bestätigt. Der Kaufpreis für das fast 136 ha große Areal betrug seinerzeit 460.000 Mark. Am 1. April 1885 erfolgte die Übernahme durch die Stadt Chemnitz im Beisein des Oberbürgermeisters Dr. Andre, der Stadträte Stadler und Richter sowie von staatlicher Seite Herr Oberforstmeister von Loeben aus Zschopau und Forstinspektor Heinicke.

Der Verschönerungsverein stellte 1886 zunächst Bänke auf. 1887 wurde mit den Planungen für den Festplatz und den Verhandlungen im Stadtkollegium zur Finanzierung begonnen. Ursprünglich waren für die Herstellung 12.000 Mark vom Rat beantragt worden, jedoch wurden nur 9600 Mark für die Begradigung, zur Herstellung einer festen Rasenfläche sowie zur Ausbesserung der vorhandenen Wege genehmigt.

1888 erfolgten die ersten Arbeiten am Terrain: Unterholzgestrüpp wurde gerodet und der Waldboden von Wurzelwerk entfernt, im Frühjahr 1889 das Ansäen des Rasens und der Bau der Festhalle. Diese wurde im Juni eröffnet. Feodor Sachse erhielt das Schankrecht, jedoch mit einigen Einschränkungen, von der Stadt übertragen. Er durfte selbst keine Konzertaufführungen veranstalten, keinen Untermieter einsetzen und nur 0,5 l Bier in Gläsern ausschenken.

Mit der Wettinfeier am 16.Juni 1889 wurde der 30.000 m² große Festplatz seiner Bestimmung übergeben. Buden waren aufgebaut, Reitschulen errichtet und Kletterstangen für die Jugend errichtet. Gegen 4 Uhr erschien von der Salzstraße her, die Regimentskapelle voran, ein von Turnern und Sängern gebildeter Festzug. Von einem Podium erklangen später Darbietungen der Militärkapelle, Vorträge der anwesenden Sänger und die Turner zeigten auf der Festwiese Übungen und Spiele.  Abends machte ein mit Böllerschüssen eingeleitetes Feuerwerk dem Volksfest ein Ende.

Von nun an wurden der Festplatz und die angelegten Promenadenwege ein stark besuchtes Ausflugsziel der Chemnitzer Bevölkerung und der Schuljugend. Alljährlich fanden die Sedan- und Wettinfeier unter reger Teilnahme der Chemnitz Bürger auf dem Festplatz statt, dazu Schauturnen und Wettkämpfe der Chemnitzer Sportler und Festspiele für die Jugend. In den schulfreien Stunden wurde der Spielplatz von den Zöglingen fast aller Lehranstalten, unterstützt von Lehrern der hiesigen Volksschulen zur Beaufsichtigung, besucht und die Wirtschaft von Herrn Feodor Sachse lud bei guten Speisen und Getränken bei zivilen Preisen zum Verweilen ein.

1898 begann man mit den Planungen zur  Umgestaltung des Küchwaldes. Es wurde ein Waldpark, durchsetzt mit Promenaden, Radfahr- und Reitwegen, angestrebt. Von den entsprechenden städtischen Ausschüssen wurden diese gebilligt und genehmigt. Im Frühjahr 1899 wurden die ersten Arbeiten ausgeführt, von der Leipziger Straße beginnend wurde der Ringweg freigeschlagen, Entwässerungsanlagen angefangen und Einebnungsarbeiten begonnen.

Der Verschönerungsverein veranstaltete eine Sammlung  und stellte für die Kostendeckung 10.000 Mark zur Verfügung, genauso viel wie die Stadt in Ihrem Haushaltsplan vorgesehen hatte. Bis zum Jahresende waren 1500 m des Hauptweges fertiggestellt und 24.500 m² Planum hergestellt.

Ab 1900 wurden unter Federführung von Gartenbauinspektor Werner und Stadtbaurat Hechler, beide auch Mitglieder des Verschönerungsvereins, die Arbeiten fortgesetzt.

Die Wirtschaft in der Mitte des Festplatzes musste später auch noch Ihren Platz räumen. Am Rand des erweiterten Festplatzes entstand 1909 die neue größere Küchwaldschänke. Doch dazu mehr im nachfolgendem Artikel.

(Quellen: Diverse Ausgaben des Sächsischen Lokal-Anzeigers und des Generalanzeigers für Chemnitz und Umgebung 1888-1900, Verwaltungsbericht der Stadt Chemnitz – zu finden unter SLUB-Dresden.de; Buch: Chemnitz am Ende des 19.Jahrhunderts)

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