Die Großgarage in der Schadestraße

Mit der zunehmenden Motorisierung in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und dem Wunsch, mit seinem Automobil die Einkäufe, die geschäftlichen und kulturellen Besuche in der Innenstadt zu erledigen, merkte man schnell, das auch entsprechende Parkplätze und Unterstellmöglichkeiten geschaffen werden mußten. Einige Unternehmer und auch die Stadt erkannten diese Notsituation und trieben zur Linderung derer auch eigene ehrgeizige Projekte voran. Eines davon war der bereits vorgestellte Garagenhof an der Zwickauer Straße. Ein Weiteres war die 1925 entstandene

Großgaragen-Gesellschaft m.b.H. auf der Schadestraße 14-18.

Firmenporträt 1929 aus "Die Kreishauptmannschaft Chemnitz und Ihre Jubiläumsfirmen"

Der Chauffeur im Livree kümmerte sich – auch mit ein wenig Stolz – um das ihm anvertraute Auto

Ausgestattet mit zeitgemäßen technischen Einrichtungen bot sie erstklassige Einstellungsgelegenheit, eine Auto-Pension mit Reparaturmöglichkeit, Restaurant und Übernachtungsmöglichkeit für die herrschaftlichen Chauffeure. Denn diese wurden damals für die teuren Automobile extra eingestellt und mussten sich bspw. um die Pflege/Unterbringung des Wagens kümmern. Hotels hatten damals noch keine eigenen Garagen, aber mit bestimmten Garagengesellschaften schloß man eine Art Empfehlungskooperation ab.

Das Bild nebenan zeigt eine große Mercedes-Benz-Limousine auf dem Gelände an der Schadestraße, die Häuser im Hintergrund überstanden die Bombardierung 1945 nicht, sie wurden abgerissen.

Im Buch „Die Kreishauptmannschaft Chemnitz und Ihre Jubiläumsfirmen von 1929“, dessen Auszug mir Mike Hähle freundlichst zur Verfügung stellte, heißt es vom Betreiber in der Firmenpräsentation dazu:

Geplantes Vorhaben zum Neubau einer Großgarage

“Die von uns im Jahre 1925 erbaute und mehrfach vergrößerte Großgaragenanlage Schadestraße 14-18 erfreute sich bald infolge der exakten und gewissenhaften Bedienung, Übersichtlichkeit der An- und Abfahrten und bequemen Unterbringungsmöglichkeit der Wagen eines lebhaften Zuspruches. Infolgedessen haben wir uns entschlossen, dem Bedürfnis nach weiterer Unterbringungsmöglichkeit von Autos Rechnung tragend, eine Erweiterung an anderer Stelle im Zentrum der Stadt vorzunehmen und eine Großgaragenzweigstelle an der Dammstraße / Oststraße, die die Zufahrt und Abfahrt direkt an der Ausmündung der Jägerstraße hat, sowie eine Großtankstelle am Hauptbahnhof / Ecke Waisenstraße zu errichten. Unsere Garagenunternehmen gehört nach Fertigstellung dieser beiden Anlagen zu den größten in Sachsen und wird auch von den übrigen deutschen Garagen kaum übertroffen. Auch unsere neue Großgarage wird nach den Entwürfen der im Garagenbau erfahrenen Architekten B.D.A. Kornfeld & Benirschke, hier, auf dem früher der Firma F.W.Strobel AG, Maschinenfabrik, gehörenden Grundstück errichtet und enthält in 5 Geschossen Unterbringungsmöglichkeit für etwa 350 Wagen vom größten Lastwagen bis zum kleinsten Personenwagen, in Einzel- und Doppelboxen, bei entsprechender billigster Preisberechnung.”

Tankstelle an der Ecke Moritz-/Zschopauer Straße

Soweit die geplante Ausführung. Der auf der Dammstraße 2 geplante moderne Neubau wurde nicht realisiert, das Grundstück war 1929 schon im Besitz des Architekten Kornfeld, im Adressbuch 1933 war er weiterhin Besitzer. An dieser Stelle wurde ein Wohnhaus errichtet, das nach 1990 abgerissen wurde.

1928/29 wurde als nächstes Projekt die Großtankstelle an der Ecke Waisenstraße/ Am Hauptbahnhof in Angriff genommen und vollendet. 1930/31 wurde die Tankstelle an der Ecke Moritzstraße/Zschopauer Straße gleich neben dem Kaufmännischen Vereinshaus errichtet und in Betrieb genommen.

Lageplan des Grundstückes der Großgaragen-Gesellschaft m.b.H. 1935 (hellblau markiert)

Luftbild um 2010

Und was ist aus dem Grundstück geworden? Reste dieses ehemaligen Garagenkomplexes finden wir heute schräg gegenüber der Hauptfeuerwache auf der Schadestraße; ein altes flaches Gebäude, das seine besten Zeiten schon hinter sich hat. Zu DDR-Zeiten war dort ein Lager der Zivilverteidigung/NVA untergebracht, in dem sich u.a. Reservisten „einkleiden“ konnten.

(Quellen: Buch – Die Kreishauptmannschaft Chemnitz u. Ihre Jubiläumsfirmen von 1929- Scan Mike Hähle, Verkehrsplan und Adressbücher der Stadt Chemnitz, u.a.)