Die Südkampfbahn

Südkampfbahn um 1929

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts galt Chemnitz bereits im Hinblick auf die vielen mitgliederstarken Vereine, die sich dem Radsport, Bewegungsspielen, dem Turnen, dem Schwimmen u.a. widmeten, als Sportstadt.

Nach dem Ersten Weltkrieg unterstützten die sozialen Bestrebungen der Weimarer Republik einen weiteren Aufschwung des Sports. In Chemnitz förderte ein bereits 1920 gebildetes Amt für Leibespflege diese Entwicklung. Dabei stand schon bald die Frage nach einer großen städtischen Sportanlage. Bisher gab es nur einfache Rasen- oder Hartplätze der Vereine. Als einzige Großanlage konnte die Altendorfer Radrennbahn seit 1909 für verschiedene Veranstaltungen genutzt werden.

1921 begannen erste Überlegungen für ein Sportstadion an der Reichenhainer Straße, wo städtisches Gelände bereits als Turn- und Spielplatz genutzt wurde. Im Jahr 1925 beschlossen die Stadtverordneten dort eine Großsportanlage zu errichten: Ein Stadion-Oval mit Zuschauerwällen, Rasenplatz und Laufbahnen – damals eine neue Gestaltung.

Lageplan 1929

Am 11. Juli 1926 wurde die neue Südkampfbahn, mit einem Spielfeld 75m x 105m, einem Stadionoval mit 400m und einer 100m Laufbahn eingeweiht, zusätzlich wurden Anlagen für die leichtathletischen Wettkämpfe angelegt.

Die Landesmeisterschaften der sächsischen Turner bildeten die Eröffnungsveranstaltung. Dauerregen beeinflußte sämtliche Wettkämpfe. Welches Bild bot sich den Gästen?

„Der Platz ähnelte allem anderen nur nicht einer neuen Sportanlage. Auf allen Seiten wurde noch tüchtig gearbeitet, die Laufbahnen waren noch weich und durch den Regen stark unterwühlt, auch die Sprung und Wurfstellen waren nur behelfsmäßig angelegt und machten einwandfreie Leistungen von vornherein vollständig unmöglich. Die Spielplätze waren nicht nur naß, sondern wegen des Lehmbodens geradezu klitschig. Die Umkleideräume und Waschgelegenheiten auf der Kampfbahn waren vollständig unzureichend und ebenfalls primitiv….“ Dresdner Nachrichten vom 13.07.1926

Südkampfbahn nach 1931

Vielleicht wäre dieser Zustand noch lange erhalten geblieben, wenn nicht ein Ereignis eingetreten wäre, das die Entwicklung einen beachtlichen Schritt vorwärts trieb: das Kreisturnfest 1930 in Chemnitz. Für dieses Fest mußte ein würdiger Rahmen in Form einer ausreichenden Sportplatzanlage geschaffen werden. Ab 1928 wurde angefangen, die Platzverhältnisse erheblich zu verbessern.

Der aufstrebende Chemnitzer Ballspiel-Club (C.B.C.) verlegte 1928 seine Spielstätte dorthin und konnte am 20.August mit einem würdigen Gegner, dem damaligen deutschen Fußballmeister Hamburger SV, bei einem Freundschaftsspiel das modernisierte Stadion einweihen.

„Den Weiheakt vollzog der Vereinsvorsitzende Klose, ein über der Kampfstätte kreisender Flieger warf einen Kranz mit der Schleife des C.B.C. ab, der dann dem HSV überreicht wurde.

Das neue Stadion füllten etwa 20.000 Zuschauer, als das mit großer Spannung erwartete Spiel zwischen dem HSV und CBC begann. Die Chemnitzer kämpften von Beginn an mit großem Eifer und Hingabe.

Luftaufnahme zum Turnfest 1930 – vorher war nur das Stadionoval vorhanden, das Gelände ringsherum wurde erst ab 1929 erschlossen und angelegt

Die ersatzgeschwächte Hamburger Elf konnte den vorzüglichen Angriffen der Chemnitzer nicht genügend Widerstand entgegensetzen. Zur Halbzeit lag CBC 2:1 in Führung. Nach dem Wechsel wurde der deutsche Fußballmeister zwar erheblich besser, konnte aber zahlenmäßig vorerst zu keinem weiteren Erfolge kommen. Dagegen glückte es dem CBC durch Otto und Nieher zwei weitere Tore zu erzielen. Den 2. Treffer für Hamburg schoß Weißdrupp. Der glückliche Sieger CBC erntete nach Spielschluß ungeheuren Beifall.“ So die Sächsische Volkszeitung am 21.08.1928. Bis 1930 sollte die Südkampfbahn weiter ausgebaut werden. Ein Kampffeld entstand, das im Osten von einem gestuften Zuschauerwall mit 8 Auftritten begrenzt war. Im Norden und Westen erhoben sich unbearbeitete 3,50 m hohe Erdwälle. Nach Süden wurde das Feld von einem hölzernen Befehlsturm abgeschlossen. Doch das ganze Projekt kam 1929 ins Stocken. Auf Grund der wirtschaftlichen Lage der Stadt wurden bis dahin nur die Hälfte der zum Turnfest benötigten Fläche von 250.000m² rund um die Südkampfbahn erworben. Ebenso erregte noch der Bau der nötigen Zufahrtsstraßen ernste Bedenken. Man plante mit nur einer Omnibusverbindung die zehntausende Gäste zu befördern. In den darauffolgenden Haushaltsberatungen der Stadtverordneten sollten Entscheidungen über die Platzfrage, den Beihilfen und den Garantiesummen fallen. Sonst hätte Chemnitz auf das Kreisturnfest verzichten müssen.

Es gab auch Planungen vom Bernsbachplatz eine Straßenbahnlinie über die Reichenhainer Straße bis zur Südkampfbahn zu bauen, doch wurden diese auf Grund der Weltwirtschaftskrise 1929 nicht umgesetzt.

Das Turnfest konnte wie geplant 1930 durchgeführt werden. Dazu mehr in einem weiteren Artikel.

(Quellen u.a.: Chemnitzer Roland 2/2016 Autor Hilmar Uhlich, Erzgebirgsverkehr 1935/36; Ausgaben der Sächsischen Volkszeitung und Dresdner Nachrichten zu finden unter SLUB-Dresden.de)