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Ein langwieriger Neubeginn

    Nach der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht vom 8. Mai 1945 war jede Betätigung auf dem Sektor der Luftfahrt in den besetzten Gebieten untersagt.

    Im „Potsdamer Abkommen“ vom August 1945 wurde die Bestimmung festgeschrieben, einen Kontrollrat für Gesamtdeutschland einzusetzen, der in erster Linie ein Wiedererstarken (bzw. die Wiederbewaffnung) Deutschlands verhindern und dies auch kontrollieren sollte. Das Gebiet der vier Besatzungszonen wurde zu einem „Niemandsland“ des Luftverkehrs, in dem nur die Militärflugzeuge der Siegermächte verkehrten. Die von den Alliierten getroffenen Vereinbarungen ließen auch keine Weiterführung des Flugzeugbaues zu, der Motorflug, Segelflug und auch der Fallschirmabsprung wurden untersagt.

    Daraus folgend wurde auf behördliche Anordnung am 11. April 1946 die Chemnitzer Flughafengesellschaft aufgelöst. Die Flugzeughalle an der Stollberger Straße war bis dahin als Reparationsleistung bereits demontiert und in die Sowjetunion abtransportiert worden.

    Erste fliegerische Aktivitäten begannen kurz nach der Gründung der DDR. Unter Führung der FDJ gaben die Flugmodellbauer den Auftakt zum Neubeginn und zur Fortsetzung der flugsportlichen Tradition in Chemnitz. Am 16. und 17. September 1950 fand hier ihre erste Leistungsschau vor der Öffentlichkeit mit 35 Modellen statt. Zwei Jahre später, Anfang Mai 1952, folgten die ersten Kreismeisterschaften und vom 24. bis 26. Oktober 1952 die ersten DDR-Meisterschaften im Modellflug. Der im August 1952 gegründeten Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wurde im selben Jahr die Verwaltung des Flugplatzes an der Stollberger Straße übertragen. Sie hatte bei der Ausrichtung der Titelkämpfe gleichzeitig eine breite Propaganda entfaltet, so daß rund 50.000 Zuschauer den drei Wettbewerbstagen in unserer Stadt beiwohnten. Neben den Einzelmeisterschaften kämpften auch die Bezirke um den Titel eines Republik – Mannschaftsmeisters. Trotz des regnerischen Wetters am zweiten Wettkampftage bestand für jeden der 260 Teilnehmer die Möglichkeit, die reale Leistung seines Modells auszufliegen.

    Den Höhepunkt bildete an diesem Wochenende dabei der „Tag der Segelflieger“. Nach über zehnjähriger Pause, zeigten die erfolgreichsten Segelflieger der noch jungen DDR, damals noch mit sowjetischen Schlepppiloten, die Flugzeuge vom Typ Polikarpow PO 2 flogen, begeisternde Proben ihres fliegerischen Könnens am Chemnitzer Himmel.

    Nachdem die UdSSR am 24. März 1954 der DDR die volle Souveränität einräumte, ebenso am 1. Juni die Deutsche Lufthansa wieder ins Leben gerufen wurde, begann man ab 1955 zaghaft, die zivile Luftfahrt in der DDR aufzubauen. Am 27. April 1955 unterzeichneten dann der Innenminister der DDR, Willi Stoph, und der UdSSR-Außenminister, Georgi M. Puschkin, ein Abkommen, in dem die Regierung der DDR die Lufthansa – der auch das zivile Luftfahrtwesen der DDR übertragen worden war – beauftragte, den Flughafen Schönefeld zu übernehmen.

    Ab 27. Februar 1956 wurde der Messeflugverkehr Leipzig – Berlin von der ostdeutschen Lufthansa durchgeführt. Am 2. März 1956 begann die Fluggesellschaft mit der Strecke von Berlin-Schönefeld nach Warschau ihren Linienflugverkehr. Hauptaufgabe der Lufthansa blieb vorerst die Einrichtung des Binnenverkehrs. Dazu mussten die vorgesehenen Flughäfen, darunter der von Karl-Marx-Stadt, auf die dazu benötigten flugtechnischen Einrichtungen modernisiert werden. Am 16. Juni 1957 wurde der Inlandsflugverkehr der DDR auf der Strecke Berlin – Barth eröffnet. Als weitere Ziele wurden in der Folgezeit Dresden, Erfurt, Heringsdorf und Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) mit Flugzeugen vom Typ IL-14, AN-2 und AN-24 angeflogen.


    Am 8. Mai 1957 fand dann wieder ein Großflugtag, organisiert von der GST, in Karl-Marx-Stadt statt.

    60.000 Zuschauer, unter ihnen auch Vertreter des Ministeriums für nationale Verteidigung, hatten sich auf dem Flughafengelände eingefunden. Ein vielseitiges Programm, unterstützt auch von Gästen der Bruderorganisation aus der CSR, boten die Kameraden der GST und gestatteten einen Einblick in den Flug- und Fallschirmsport beider Organisationen. Mit einem Segelflugzeug wurde symbolisch auch eine Postbeförderung von Zwickau nach Karl-Marx-Stadt nachgestellt.

    Im nächsten Artikel wird die nur viereinhalbjährige Nutzung des Flughafens Karl-Marx-Stadt ab 1958 für den zivilen Luftverkehr ausführlich dargestellt.

    (Quellen u.a.: Buch von Karl-Dieter Seifert, Deutsche Luftfahrt, 2001; verschied. Zeitungsartikel aus Berliner Tageszeitungen, zu finden unter https://zefys.staatsbibliothek-berlin.de; verschied. Artikel von W. Bausch zur Chemnitzer Luftfahrtgeschichte)

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