Golf, in England und Amerika in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts bereits Volkssport, dem Hunderttausende huldigten, war zu damaligen Zeit in Deutschland noch immer der Sport einer kleinen, zumeist elitären Schicht. Oft fehlten die Mittel zur Anlage und Unterhaltung so kostspieliger Plätze.

1926 wurde in Plaue-Bernsdorf bei Flöha der erste Golfplatz in unserer Nähe von Bernhard von Limburger, einem erfolgreichen deutschen Golfplatzarchitekten, angelegt.

Unmittelbar vor den Toren der westlich von Chemnitz gelegenen Gemeinde Rabenstein, am Ostrande des mächtigen Rabensteiner Hochwalds, wurde etwa zur selben Zeit ein Platz gefunden und deshalb von den interessierten Kreisen für die Errichtung eines Golfplatzes vorgesehen. Führende Chemnitzer Großindustrielle, vorwiegend jüdischer Herkunft, gründeten im Oktober 1927 den Golf- und Land-Club Chemnitz  e.V.. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten u.a. Hans Stickel (1. Vorsitzender) – Mitinhaber der Fa. Gustav Gerstenberger am Roßmarkt, Baron Oskar Freiherr von Kohorn – Fabrikbesitzer der Teppich-und Maschinenfabrik an der Kauffahrtei, Erich Bernstein – Vorstandsmitglied der Marschel Frank-Sachs AG, Tricotagenfabrik, Dr. h.c. Beck, Horst Pfotenhauer, Fritz Lessing, die bekannten Chemnitzer Architekten Prof. Dr. Heinrich Straumer und Erich Basarke, Bankdirektor Hans Otto (Darmstädter und Nationalbank KG) sowie die Herren Matthée und Edgar Herfurth. Letztere waren Eigentümer des Grundstücks und Schloßherren des Rittergutes Oberrabenstein. Nachdem der Golf- und Land-Club Chemnitz über eine genügende Anzahl von Mitgliedern verfügte — es waren schon weit über hundert — begann man im Juni 1928 zwischen Schlosspark und damaliger Limbacher, jetzt Oberfrohnaer Straße, eine neue Golfplatzanlage zu schaffen, die den hochgestellten Ansprüchen modernen Sports genügte.

Das Chemnitzer Tageblatt berichtet darüber im Oktober:

„…Der Platz selbst ist fertiggesteckt, die Erdbewegung beendet. Die Abschläge, Spielbahnen und Grüne angesät. Die Sieger der diesjährigen deutschen Golfmeisterschaft, die beiden Engländer Murray und Morrison, mit ihrer Erfahrung aus der Anlage von Hunderten von Plätzen in der ganzen Welt, leiteten die Herstellung. Ein Klubhaus ist im Bau und soll noch in diesem Herbst fertiggestellt werden.

In vollkommener ländlicher Abgeschlossenheit ist auf der Höhe, direkt am Rabensteiner Staatsforst, für das Klubhaus ein herrlicher Platz gefunden worden. Von seinen Terrassen aus bietet sich eine geradezu ideale Aussicht über den Platz und weit im Hintergrunde Chemnitz und das ganze Erzgebirge. Einer der inmitten des Golfplatzes unter uralten Bäumen liegenden fünf Teiche wird augenblicklich als Badeteich eingerichtet. Das dadurch entstehende Bad in einer Größe von 70 zu 30 Meter wird eine große Anziehungskraft ausüben.

Für diesen Herbst steht den Mitgliedern eine Übungswiese zur Verfügung. Der bekannte Karlsbader Trainer Clement erteilt dort nach Anmeldung im Sekretariat bis zur Anstellung eines eigenen Klublehrers Unterricht….“

Zu Beginn des nächsten Frühjahres sollte die volle Aufnahme des Klublebens vonstatten gehen.

Am 17. August 1929 fand die Einweihungsfeier in den eleganten Räumen und auf der Terrasse des Klubhauses im Beisein zahlreicher Mitglieder und Ehrengäste statt. Herr H. Stickel, der Vorsitzende des Klubs, hielt die Begrüßungs- und Weiherede. „Für die auswärtigen Gäste sprach der Präsident des deutschen Golfverbandes H. Guttmann aus Potsdam, der neben Worten wohlmeinender Kritik des Lobes genug zu sagen hatte. Für die Behörden sprachen Bürgermeister Arlart (Chemnitz). Bürgermeister Wendt (Rabenstein) und Amtshauptmann Jungnickel. Generalintendant Tauber überraschte mir der Verkündigung der Stiftung einiger wertvoller Wanderpreise für Damen und Herren seitens einiger Klubmitglieder. Prof. Dr. Straumer brachte im Namen der Mitglieder höchste Worte der Anerkennung für alle, die das Werk geschaffen haben, zum Ausdruck.

Die sportliche Weihe des Platzes ging am Sonntagvormittag bei schönem Sommerwetter vor sich. Eine ganze Anzahl bekannter deutscher Spielerinnen und Spieler hatte es sich nicht nehmen lassen, zur Eröffnung zu erscheinen, so u. a. die Damen Samek und Tag, die Herren Stefan Samek (Sohn des mehrfachen deutschen Meisters), Benzinger-Frankfurt. Regierungsbaumeister Hoffmann-Berlin. Vor einer größeren Zuschauerschar wurden die ersten Spiele erledigt. Als Sieger gingen bei den Damen Frau Samek und nach Losentscheid bei den Herren Herr Hoffmann hervor…“

Blick über den Golfplatz zum Clubhaus

Der Golfplatz wurde zunächst als Neun-Loch-Anlage mit einer Gesamtstreckenlänge von 2710m  gestaltet, mit der Möglichkeit, ihn später auf die üblichen 18 Löcher erweitern zu können.  Die Teiche im Mühlengrund bildeten natürliche Wasserhindernisse, Sandbunker wurden eingeordnet. Die einzelnen Spielbahnen waren für Damen und Herren zum Teil unterschiedlich lang. Der Platz entsprach etwa den Flächen der heutigen Bungalowsiedlung, der Waldschenke und des Wirtschaftshofes sowie des Stauseegeländes.

Jedes Grün hatte ein hochmodernes Bewässerungssystem, am obersten Teich gab es dazu ein Pumphaus mit elektrischen Pumpen, das die Wasserversorgung sicherstellen sollte.

Die Weltwirtschaftskrise der frühen 1930er-Jahre traf jedoch den Chemnitzer Raum hart und der Club konnte die Schulden, die beim Bau des Golfplatzes und des Clubhauses entstanden waren, nie vollständig zurückzahlen. Die Insolvenz wurde Ende 1931 nach nur drei Golfsaisons in Chemnitz-Rabenstein angemeldet. Der Golfplatz wurde für immer geschlossen, der Club aufgelöst. Die Familie Herfurt, welche das Gelände an den Club verpachtet hatte, versuchte neue Nutzer zu finden. So verhandelte Matthée Herfurt mit der „Sächsischen Heim“ – Landessiedlungs-und Wohnungsbaugesellschaft GmbH Dresden, welche eine Siedlung für die Wandererwerke hier errichten wollte. Diese nahmen im Sommer 1936 jedoch Abstand vom Siedlungsprojekt „mit Rücksicht auf die Dispositionen, die sich für unsere Werksanlagen in diesem Jahr notwendig machen“. 1940 erfolgte der Verkauf eines Teiles des als landwirtschaftliche Nutzfläche deklarierten Geländes an die Gemeinde Rabenstein.

Die Anlage des heutigen Golfplatzes in Chemnitz-Klaffenbach

Das Golfbad erfreute sich weiterhin größerer Beliebtheit. Dieses und das architektonisch einmalige Clubhaus werden in weiteren Artikeln vorgestellt.

Erst 1998 konnten die Freunde des Golfsports wieder in der Chemnitzer Nähe ihre Schläger schwingen. In Klaffenbach wurden die ersten Arbeiten für den heutigen Golfplatz ausgeführt. Im Juni konnte die Driving-Range als erstes Teilstück eröffnet werden.

Quellen: Chemnitzer Tageblatt und Anzeiger, Chemnitzer Neueste Nachrichten 1928-1929, Webseite www.golfsmissinglinks.co.uk, Rabensteiner Blätter – Autor Lothar Schilde, Archiv Dr. Gert Kreiselmeier sowie das Archiv von Christoph Meister (Hamburg) – www.golfika.de, dem ich meinen besonderen Dank für das bereitgestellte Material ausspreche.

Menü schließen