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Die Trümmer sind beseitigt

    Mit diesen seltenen Aufnahmen möchte ich die Chemnitzer Innenstadt und den Zustand um 1960 im Stadtzentrum dokumentieren.

    Die Trümmerberäumung und der anschließende Wiederaufbau von Chemnitz nach den verheerenden Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg – insbesondere nach dem Großangriff am 5. März 1945 – gehören zu den prägendsten Kapiteln der Stadtgeschichte. Etwa die Hälfte bis zwei Drittel der Chemnitzer Bausubstanz, vor allem im Zentrum und in den inneren Stadtteilen, war zerstört oder schwer beschädigt. Schätzungen zufolge wurden dadurch 5 bis 6 Millionen Kubikmeter Trümmer in der Stadt hinterlassen. In meinem Bericht „Chemnitz 1951 in Trümmern“ habe ich den Zustand bereits mit einigen Bildern dokumentiert.

    In der unmittelbaren Nachkriegszeit waren es vor allem Frauen, die unter extrem schwierigen Bedingungen – oft mit bloßen Händen, Hacken, Schaufeln und einfachen Seilwinden – erste Wege freiräumten und Ziegelsteine säuberten und stapelten. Unter der sowjetischen Besatzungsmacht und den ersten deutschen Nachkriegsverwaltungen begann die planmäßige Enttrümmerung, wobei es anfangs an schwerem Gerät, Lastkraftwagen, Treibstoff und Nahrungsmitteln mangelte. Um die riesigen Schuttmassen abzutransportieren, wurden spezielle Schmalspur- oder Feldbahnen (Trümmerbahnen) eingerichtet, die den Schutt zu zentralen Sammelstellen oder Deponien brachten. Ziegelsteine wurden maschinell oder in Handarbeit von Mörtelresten befreit, um sie wiederzuverwenden, während Brech- und Aufbereitungsanlagen den Schutt als Schotter für den Wegebau und für neue Baustoffe wie Schlackenbetonsteine nutzten.

    Nachdem das Stadtzentrumweitgehend von Trümmern beräumt war, plante man anfänglich unter Berücksichtigung historisch gewachsener Platzräume und der spärlich verbliebenen historischen Bausubstanz den Wiederaufbau innerhalb des einstigen Stadtgrabens. Historisch bedeutsame Straßen und Plätze sollten dabei weitgehend beibehalten werden. Beispiele hierfür waren die Bauten an der Westseite der Inneren Klosterstraße, die Wiederherstellung des Alten Rathauses, die Erhaltung einer Fassade der „Siegert’schen Häuser“ am Markt sowie die für den Wiederaufbau vorgesehene St. Paulikirche an der Theaterstraße/Getreidemarkt. Das historisch entstandene Straßensystem sollte zunächst erhalten bleiben, wobei die Theaterstraße (damals Wilhelm-Pieck-Straße) und die Poststraße als Promenadenring vorgesehen waren. Im Beitrag „Rathausdurchgang“ konnten sie die Entwicklung an dieser exponierten Stelle bereits mit mir nachvollziehen.

    Mit der administrativen Umbenennung der Stadt in „Karl-Marx-Stadt“ im Jahr 1953 erfolgte ein radikaler politischer und städtebaulicher Bruch mit der alten bürgerlich-industriellen Struktur. Das ursprüngliche Stadtmodell wurde verworfen und noch vorhandene wertvolle historische Bausubstanz endgültig vernichtet, indem man verbliebene Ruinen planmäßig beseitigte. An ihre Stelle trat das Konzept einer sozialistischen Großstadt mit breiten Straßen und weiten Plätzen für große Paraden und Aufmärsche. Siehe dazu auch weitere Impressionen im Beitrag: „Karl-Marx-Stadt 1963“.

    Im Rahmen des Nationalen Aufbauwerks wirkte die Bevölkerung aktiv an der Neugestaltung mit, wodurch unter anderem Kinderkrippen und Wohnhäuser entstanden. Die Hauptlinie des Stadtzentrums bildete die Straße der Nationen, welche den Hauptbahnhof, den Theaterplatz, das Geschäftsviertel, den zentralen Platz, den Altstadtring, den Markt und den Fritz-Heckert-Platz miteinander verband. Das Ziel war eine moderne Industriestadt, die durch zweckmäßige Arbeitsstätten, gesundes Wohnen, Grünanlagen und Kultureinrichtungen geprägt sein sollte. Bis in die 1960er Jahre hinein verschwand das alte mittelalterliche und wilhelminische Zentrum weitgehend, während neue Wohnkomplexe im Lutherviertel, an der Ernst-Thälmann-Straße und auf dem Kaßberg errichtet wurden.

    Diese Umgestaltung der Nachkriegszeit hat das Stadtbild nachhaltig verändert. Während damals die Schaffung von zweckmäßigem Wohnraum und breiten Magistralen im Vordergrund stand, wird das Ergebnis heute als eine durch ein einförmiges Erscheinungsbild geprägte Innenstadt wahrgenommen, in der zusammenhängende große Geschäftsstraßen und belebte Plätze für ein pulsierendes Großstadtleben fehlen.

    Quellen u.a.: Broschüren „Chemnitz – ein verlorenes Stadtbild“ und „Karl-Marx-Stadt im Aufbau“ (1956)

    Siehe dazu auch: https://chemnitz-gestern-heute.de/ein-blick-in-die-50er-jahre-zurueck/