Lola Schröter-Vorescou – Rekorde

Nach der ersten erfolgreichen Zeit im Leben als Fallschirmspringerin wagte sie sich in den nächsten Jahren an weitere sportliche Höchstleistungen. Fortsetzung des 1.Teils Lola Schröter-Vorescou– eine Chronik.

1931

Der erste Großflugtag 1931 am 17.Mai in Leipzig-Mockau wurde bei günstigen Wetter ein voller Erfolg. Gleich zu Beginn der Veranstaltung stellte die Fallschirmpilotin und Kunstfliegerin, Frau Lola Schröter-Vorescou, mit ihrem 119. Fallschirmabsprung aus 4400 m Höhe unter behördlicher Kontrolle eine neue Welthöchstleistung für Frauen auf. Sie überbot Ihren eigenen Herbst 1929 aufgestellten Rekord von 2600m wesentlich. Der Absprung gelang planmäßig. Die Pilotin traf in der Höhe einen Wind von 40 Stundenkilometern an. Sie legte dabei in 18 Minuten eine Strecke von etwa 20 Kilometer zurück und landete dicht vor Delitzsch auf einem Feld.

Aus Augsburg wird am 5.Juli gemeldet: Der bekannten Chemnitzer Fliegerin und Fallschirmpilotin Lola Schröter ist beim 25.Deutschen Luftfahrttag in Augsburg ein neuartiger in Deutschland noch nie gezeigter Fallschirmsprung gelungen. Die Pilotin verwendete dabei das Fallschirmsystem „Robur“ und sprang infolge der niedrigen Bewölkung aus 700m Höhe ab. Nachdem sie sich etwa 150 m fallen ließ, öffnete sie den Fallschirm selbst. Die Öffnung vollzog sich planmäßig. Eine Viertelstunde vorher hatte die Fliegerin zur Veranschaulichung zwischen beiden Fallschirmarten einen Absprung mit einem automatischen Fallschirm unternommen. Es waren diese ihr 124. und 125.Absprung.

Landung Lola Schröders auf dem Flughafen in Chemnitz

Schon 14 Tage später war sie wieder in Chemnitz zu Gast: Am 19.Juli fand auf dem Flugplatz an der Stollberger Straße der Sommerflugtag der sächsischen Fliegerschule Leipzig statt. Neben Neuheiten im Flugsport, die es zu bewundern gab, sprang sie auch in Chemnitz 2x, einmal davon wieder mit dem neuen Schirm. Diesmal auch aus 700 m ließ sie sich auf 350 m fallen und öffnete erst danach den Fallschirm. Der Flugtag bewies erneut, daß der Flugsport in Chemnitz trotz widriger Zeit nicht von seiner Anziehungskraft eingebüßt hatte.

Auch die deutsche Presse interessierte sich mittlerweile für die zierliche Erscheinung und tollkühne Pilotin. Ein Reporter von „Scherl‘s Magazin“ durfte sie in ihrem Chemnitzer Heim besuchen, wo sie als Hausfrau aus ihrem Leben erzählte. Sie besaß ein eigenes Flugzeug, das sie als erste Privatfliegerin Deutschlands selbst pflegte und wusch.

Den 128. Absprung absolvierte sie beim Flugtag am 26.Juli 1931 in Annaberg-Buchholz.

Zum Flugsporttag am 9.August in Riesa war sie mit Elfriede Beier zu einem Fallschirm-Wettbewerb eingeladen. Bei dem Abschuß einer Leuchtpatrone mußten beide gleichzeitig abspringen und ein vorher abgestecktes Landekreuz so nah wie möglich erreichen. Bei ihrem 129.Sprung musste sie ihrer Konkurrentin den Vortritt lassen, die näher am Ziel landete.

Im Oktober war sie zum Hannoveraner Sporttag eingeladen. Fast 50.000 Zuschauer auf der Pferderennbahn erlebten neben Grasbahn-Motorrad-und Autorennen flugsportliche Programmnummern. Im Vordergrund des Interesses standen die beiden Fallschirmabsprünge von Frau Lola Schröter, besonders der zweite aus 800 m Höhe, bei dem sich erst nach 400 m direktem Fall der Schirm durch Handzug öffnete.

Das Riesaer Tageblatt berichtete am 2.12. 1931 von einem seltenen Sportjubiläum. Unter behördlicher Kontrolle hatte sie ihren 149. Und 150. Fallschirmabsprung absolviert, eine Leistung die nur wenige Fallschirmartisten durchgeführt haben.

1932

Anfang 1932 erschien ihr Buch „150 Fallschirmsprünge, Lola erzählt Selbsterlebtes“ im Limpert-Verlag Dresden.

Am 24.Juli fand in Chemnitz ein von 40.000 Zuschauern besuchter Nationalsozialistischer Flugtag auf dem Gelände des Chemnitzer Flughafens statt. Dabei führte sie auch 2 Fallschirmabsprünge aus.

Fallschirmabsprung im Riesengebirge. Am 21.August gelang es ihr, die erste Fallschirmlandung auf dem Riesengebirgskamm durchzuführen. Auf der Schneekoppe wurde gerade von Deutsch-Böhmischen Turnern ein Bergfest veranstaltet, als sie nachmittags 3 Uhr dicht neben der Wiesenbaude landete. Aus einer Höhe von 1600m Höhe war sie aus einem Flugzeug der Leipziger Akademischen Fliegergruppe, das durch den Studenten Thilmann geführt wurde, bei 16-18 Sekundenmetern Wind abgesprungen.

Der Weltrekord: Am 21. September 1932 gelang Lola Schröter ein neuer Fallschirmrekord: Mit einem Wasserflugzeug war sie zwischen Kiel und Neumünster aufgestiegen. Zuerst gab es Unstimmigkeiten bei der Absprunghöhe, da der im Flugzeug eingebaute Höhenmesser bei -30°C in 6 km Höhe eingefroren war. Erst nach Auswertung des beim Sprung mitgeführten Meteorographen durch die deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt wurden die 7300 m Höhe bestätigt. Abgesprungen war sie westlich von Kiel, die Fallzeit betrug 28 Minuten, die unter dem Fallschirm zurückgelegte Strecke 45 km. Die Landung erfolgte in Hohenberg, 22km von Kiel entfernt. Schon kurz nach dem Absprung aus der Junkersmaschine bei 200 Stundenkilometern öffnete sich der diesmal automatisch öffnende Fallschirm. Ausgestattet mit Schirm, Warmer Kleidung, Photoapparat und Schwimmweste, hatte sie zunächst unter der Kälte von -35°C zu leiden. Ihr Flugzeug mit dem Führer Hubrich begleitete sie während des Falles aus nächster Nähe. Bordmonteur Krebs und Sportfotograf Willy Ruge konnten sie nach einer Landung auf dem Selenter See wieder auf der Erde wohlbehalten begrüßen.

Es war ihr 175. Sprung, mit all ihrer Erfahrung und akribischer Vorbereitung hatte sie den Weltrekord der Rumänin Braescu (6.000 m) gebrochen, der deutsche Rekord wurde von Georg Resch aus Würzburg mit 5.100 m gehalten.

Natürlich war sie nach dem Rekordsprung als Gast bei verschiedenen Veranstaltungen begehrt, über ihre erstaunlichen Leistungen zu berichten. Im Dezember hielt sie z.Bsp. einen Vortrag über ihre Erlebnisse im Dresdner „Kellerhaus“.

1933

Annonce aus den Chemnitzer Neuesten Nachrichten vom 12.Juli 1933

Der Umstand, daß für viele Fliegerinnen angesichts der damaligen Zeit enorme ökonomische, soziale und gesellschaftlichen Widerstände vorlagen, war die Kooperation mit dem NS-Regime ein annehmbarer Peis für die Fortsetzung ihrer fliegerischen Karriere. Am 1.Mai trat sie in die NSDAP ein. Dies eröffnete ihr die Möglichkeit, ihre privaten fliegerischen Interessen mit dem staatlich propagierten Gedankengut zu verknüpfen. Somit waren weitere Einladungen zu Flugtagen und Unterstützung gesichert, ohne die sie ihre Projekte hätte nicht durchführen können.

Unfall am 11.Juli 1933. Von Breslau gestartet, kam Lola Schröter mit dem Segelflugzeug „D-Wiesenbaude“ im Schleppflug hinter dem Motorflugzeug D-2416 in Hirschberg in Schlesien an. Bei der Landung ging das Segelflugzeug, das sich in etwa 1500 m freigemacht hatte, zu Bruch und wurde fast vollkommen zerstört. Sie zog sich dabei schwere Brüche an beiden Beinen zu und wurde ins Hirschberger Krankenhaus eingeliefert. Der Zustand der Fliegerin war anfangs besorgniserregend, man glaubte im Krankenhaus zunächst, das beide Beine abgenommen werden müßten. Doch nach und nach verbesserte sich ihr Gesundheitszustand. Anfang Oktober konnte sie schließlich fast vollständig genesen ihren 3-monatigen Krankenhausaufenthalt in Hirschberg beenden.

Doch die Zeit brachte gesundheitliche Probleme mit sich… Wie es weiter geht erfahren Sie im Schluß der Trilogie.

(Quellen: Versch. Zeitungsberichte der Sächsischen Volkszeitung, Riesaer Tageblatt, Dresdner Nachrichten u.a. zu finden auf SLUB-Dresden.de, div. österreichische Tageszeitungen zu finden auf anno.onb.ac.at, diverse badische Zeitungen zu finden unter blb-karlsruhe.de; u.a.)

Besonderen Dank an das Stadtarchiv Karlsruhe für die Bereitstellung von Informationen.