Ballonfahrer Carl Securius 1885 in Chemnitz

1885 sollte für die Chemnitzer, 12 Jahre nach dem Aufstieg von Thoedor Sivel 1873, wieder eine Ballonauffahrt stattfinden.

Ab dem 30.Juli des Jahres fand das 9. mitteldeutsche Bundesschießen auf dem Festplatz in Chemnitz-Altendorf statt. Zu diesem erhoffte man sich, daß der bekannte Luftschiffer Carl Securius während der Dauer des Bundesschießens hier einige Ausfahrten veranstalten werde. Da die Gasleitung zur Befüllung des Ballons nicht bis zum Festplatze hinan reichte, mußte man von diesem Vorhaben Abstand nehmen.

Das interessante Schauspiel eines Ballonstarts wurde unserer Stadt doch zu Teil, da Carl Securius beabsichtigte, am 19.Juli vom Garten des „Elysium“ aus eine Auffahrt zu veranstalten. Es war dies seine zweihundertachtzigste Wolkenreise.

Bereits am 15.Juli traf das berühmte Luftschifferpaar Herr Carl Securius und Frau hier ein, um die Vorbereitungen zum Ballonaufstieg zu treffen. Gleichzeitig kam das 18 Zentner schwere Equipment, bestehend aus Gondeln, Anker, den Ballonhüllen, die aus einem Gewebe aus Hanf und Seide hergestellt und luftdicht versiegelt waren, sowie anderen Utensilien hier per Bahn an. Vorher hatten beide Ballonauffahrten u.a. in Glauchau, Plauen und Reichenbach veranstaltet.

Annonce 1885

Als Zuschauer hatte Herr Securius bereits die höchsten Herrschaften; es beehrten u.a. die Ballonauffahrten mit ihrem Besuche: Kaiser Wilhelm, die Kaiserin Augusta, die Königin Carola von Sachsen, die Kronprinzessin von Schweden, die Großherzogin von Baden, der Großherzog von Mecklenburg und der König Georg von Griechenland.

Von den sieben Ballons, die Herr Securius im Besitz hat, wurden zwei mit nach Chemnitz verladen; es ging sämtliches bei ihm verwendetes Material aus deutschen Fabriken hervor. Während der zwölfjährigen Praxis hat Herr Securius die hübsche Summe von ca. 66.000 Mark für Leuchtgas zur Füllung seiner Ballons verausgabt.
Da das interessante Schauspiel auch in unserer Stadt große Auslagen forderte, erhoffte man sich durch billiges Entree an diesem Tag einen recht zahlreicher Besuch im Elysium. Und die Veranstalter wurden nicht enttäuscht. Vor der Auffahrt fand ab 3 Uhr ein Konzert im Elysium statt. Immer mehr Gäste strömten auf den Straßen zum Aufstiegsplatz.Kurz nach 6 Uhr abends begann das Schauspiel, über das die Presse anschließend berichtete:

Von einem herrlichen Wetter begünstigt, unternahm am 19.Juli nach sechs Uhr der bekannte Luftschiffer Securius vom „Elysium“ aus seine zweihundertachtzigste Ballonfahrt.

Graziös schwebte der vierhundertneunzehn Kubikmeter Gas fassende und 60 Fuss hohe Ballon, dessen Füllung mit Gas 3 Stunden beanspruchte, zwischen dem Grün der Bäume, diese wie die nebenstehenden Gebäude um ein Beträchtliches überragend. Etwa zwanzigtausend Menschen standen im Garten des genannten Vergnügungslokales und den umliegenden Straßen dichtgedrängt versammelt, um sich das interessante Schauspiel mit anzusehen. Endlich ertönte das ,,Los!“ und im Nu war der Ballon weit über den Köpfen der Zuschauer. Immer mehr steigend, bis er etwa die Höhe von dreitausend Fuß erreicht haben mochte und von einer leichten Luftströmung getrieben, in südlicher Richtung verschwand. Wie uns mitgetheilt wird, ist der Ballon nach sieben Uhr etwa zwei Stunden von hier auf einem Grundstück zwischen Adorf bei Meinersdorf ohne Unfall niedergegangen, auf demselben Platze, wo vor etwa dreiundvierzig Jahren ein vom hiesigen Schützenplatz aufgestiegener Ballon gleichfalls wieder zur Erde gelangte.“ (Ein Hinweis zu einer weiteren früheren Ballonfahrt, von der es aber bisher keine weiteren Spuren gibt!)

Nach einstündiger Fahrt hatte Securius die Reise absolviert, und die Chemnitzer ihr Spektakel erlebt. Es sollte weitere Jahre dauern, ehe es Robert Feller war, der ab 1890 regelmäßig Fahrten mit dem Ballon veranstaltete.

In den kommenden Jahren starteten die Ballons als zuschauerträchtige Attraktionen aus den Gartenanlagen bekannter und beliebter Gasthöfe, wie der „Linde“ (heute der Standort des „Hotels an der Oper“), dem „Tiergarten Scheibe“ in Furth, dem „Waldschlößchen“ in Hilbersdorf, dem „Schützenhaus“ in Altendorf, dem „Hirsch“ in Gablenz und dem „Colosseum“ an der Zwickauer Straße.

Von ihnen wird in den veröffentlichten Artikeln zu den jährlichen Ereignissen der Chemnitzer Ballon- und Luftfahrtgeschichte des Öfteren zu lesen sein.

( Quellen: Sächsischer Landes-Anzeiger u. Wochenblatt für Zschopau 1885 zu finden unter SLUB-Dresden.deBildnis Carl Securius – https://www.amt-joachimsthal.de/texte/seite.php?id=66510)