Bis zum Ende des 19 Jahrhunderts waren die Baumaßnahmen rings um den Schloßteich größtenteils abgeschlossen. Am weiteren Ausbau seiner Schöpfung hatte Gartendirektor Otto Werner einen maßgeblichen Anteil, daß die Schloßteichanlagen zur Zierde der Stadt wurden.

Mit den veranstalteten Schloßteichfesten, von denen wir seit der Jahrhundertwende lesen, wurden den auswärtigen Gästen gern die Pracht der Anlagen gezeigt, Festumzüge hatten den Schloßteich als Ziel, der sich mit üppigem Baumwuchs und gepflegten Baumgruppen, Beeten und Wegen zur mittlerweile größten Grünanlage der Stadt ausgedehnt hatte. Ausreichend Lokalitäten mit Terrassen waren im Lauf der Zeit entstanden und luden neben dem Bummel auf den Promenaden bis zum Schloßberg zu einem Besuch und einer Stärkung ein.

Bis abends konnte man sich am illuminierten Schloßteich vom schweren Alltag in den Fabriken der Stadt erholen, schwimmen, rudern und sich im Winter bspw. dem Schlittschuhsport widmen.

Die Gondelstation, die sich bis dahin unterhalb des Schlosses befand, wurde Anfang des Jahrhunderts auf die heutige Stelle verlegt, ein genaues Datum konnte noch nicht in Erfahrung gebracht werden.

1912 erhielten die Schloßteichanlagen einen neuen Schmuck. Der Müller-Zipper-Brunnen wurde zu Ehren des Bürgermeisters Johann Friedrich Müller, der 1848 bis 1874 die Stadt leitete und der es verstand, die städtischen Kollegien zu bewegen, daß sie 1860 den Schloßteich von einem Grundstücksspekulanten erwarben und zu Ehren des Schöpfers der Gesamtanlage und Ideengeber Stadtrat Robert Zipper errichtet. Auf Anregung des Bezirksvereins Chemnitz-Schloß wurde ein Fonds hierfür gesammelt und die Stadt sicherte eine Beihilfe zu. Der die Entstehung der Schloßteichanlagen darstellende Brunnen wurde vom Chemnitzer Bildhauer Bruno Spieß aus Muschelkalkstein ausgeführt und am 6.Mai 1913 feierlich eingeweiht.

1914 folgte das so genannte „Milchhäuschen“ von der „1. Gesellschaft für öffentlichen Milchausschank“ an der Schlossteichstraße. Der 1. Weltkrieg mit der schlechter werdenden Versorgungslage und dem Mangel an Nahrungsmitteln waren wohl Gründe, warum dieses Milchausschankgebäude neben anderen in der Stadt Chemnitz geschaffen wurde. Nach Kriegsende gab es dort natürlich nicht mehr nur Milch, sondern natürlich auch Kuchen, mit dem dazugehörigen Scheelchen Heeßen (Kaffee). Auch mit dem Ruderboot konnte man damals schon anlegen, wie diese nebenstehende Aufnahme zeigt.

1916 fegte am 27.Mai eine Windhose über Chemnitz und sorgte auch für immense Schäden in den Schloßteichanlagen und dem Schloßteichrestaurant. Mehr dazu in diesem bereits veröffentlichten Artikel.

Regelmäßig musste der Schloßteich auf Grund seines natürlichen Zuflusses auch entschlammt werden. Dazu wurde er nach dem Abfischen im Herbst komplett leergelassen und im Frühjahr begann man dann mit den Erdarbeiten. Während des Weltkrieges und der Inflationszeit mussten diese Maßnahmen auf Grund des Geldmangels ausgesetzt werden. 1934 wurde dann, wie wir aus einem Bericht des Chemnitzer Tageblattes erfahren (Dank an Mike Hähle), mit aller Gründlichkeit der Teich wieder gesäubert, sogar eine Lorenbahn mit mehreren Gleisen wurde zum Abtransport des Schlammes in den Schlossteich gebaut. Dieses Projekt ist wohl im Rahmen der Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Reichsarbeitsdienstes verwirklicht worden.

Auch die neuen erweiterten Schloßteichanlagen mit dem Leuchtbrunnen sind nach dem aufwendigen Abriss der Hartmannschen Fabrikanlagen (der ausführliche Beitrag folgt dazu noch) wahrscheinlich auf den RAD zurückzuführen. Mit der Neugestaltung des ehemaligen Hartmannschen Grundstücks wurden auch an den Uferlinien Veränderungen vorgenommen. Die Schlossteichstraße wurde verbreitert und die Wasserfläche nochmals verkleinert. Das alles in den Jahren zwischen 1933 und 1938.

Bei der Bombardierung der Stadt Chemnitz im 2. Weltkrieg wurde auch die Umgebung des Schloßteiches sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Ganze Straßenzüge an der Promenadenstraße (In dieser Zeit hieß sie Admiral-Scheer-Straße) wurden vollständig vernichtet. Auch das Schloßteichrestaurant an der Uferpromenade wurde zerstört. Das Milchhäuschen überlebte diese Zeit.

Wie es nach dem Krieg weiterging, erfahren Sie in einem der nächsten Berichte.

(Quellen: Div. Ausgaben der Dresdner Neuesten Nachrichten und Zschopauer Anzeiger- zu finden unter SLUB-Dresden.de, Chemnitzer Tageblatt vom 15.4.1934 – Sammlung Mike Hähle, div. Literatur zur Chemnitzer Stadtgeschichte)

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