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Deutsche Bank in Chemnitz

    Von den Anfängen

    Die Deutsche Bank ist bereits seit 1911 in Chemnitz vertreten. Ihre erste Geschäftsstelle befand sich im ersten Obergeschoss des Hauses Königsstraße 3–5, die Verwaltung und Kontrolle der Geschäftstätigkeit der Filialen unterlag jedoch der Zentrale in Berlin.

    Entwurfszeichnung

    Am 14. Oktober 1911 wurde die „Deutsche Bank Depositenkasse Chemnitz” als Zweigniederlassung der seit 1870 unter der Firma „Deutsche Bank” bestehenden Aktiengesellschaft mit Sitz in Berlin im Handelsregister des Amtsgerichts Chemnitz auf Blatt 6597, später HRB 286, eingetragen. Gesamtprokura für diese Niederlassung in Chemnitz erhielten 1911 Wilhelm Bösselmann und Dr. Albert Rössing, beide aus Chemnitz. Das Grundkapital wurde mit 200 Millionen Mark angegeben.

    Seit Januar 1914 lautete die Firmenbezeichnung „Deutsche Bank Zweigstelle Chemnitz“ und seit April 1920 „Deutsche Bank Filiale Chemnitz“. Mit dem Beschluss der Generalversammlung vom 29. Oktober 1929 wurde eine Kapitalerhöhung auf 285 Millionen Reichsmark sowie die Verschmelzung mit der Disconto-Gesellschaft Chemnitz bekannt gegeben. Gleichzeitig wurde die Firmenbezeichnung in „Deutsche Bank und Disconto-Gesellschaft Filiale Chemnitz“ geändert.

    Gesamtprokura für die Zweigniederlassung Chemnitz erhielten 1929 Erich P. Olbrich, Johannes Lüders und Rudolf Plaas. Im Dezember 1933 wurde Dr. Gerhard Römer Direktor der Filiale, im Dezember 1937 folgte ihm Adolf Möhle. Gleichzeitig wurde die Filiale erneut in „Deutsche Bank Filiale Chemnitz“ umbenannt.

    Ein Neubau wird geplant

    Die Baugeschichte des Neubaus der Deutschen Bank am Falkeplatz war lang und bewegt. Nachdem die Deutsche Bank 1921 den nördlichen Teil des wertvollen Falkegrundstücks von der Stadt erworben hatte, wurden zunächst kühne Baugedanken eines mächtig ragenden Baukörpers entwickelt. Ein 10- bis 12-geschossiger Bauriese sollte Arbeitsmangel und Raumnot beheben. Die immer schneller verfallende Währung und die in schrankenlosen Lohnkämpfen und gigantischen Preiskurven wild fiebernde Wirtschaft zerschlugen jedoch bald das große Projekt.

    Ansicht von der Poststraße um 1935

    Schließlich reiften die Pläne für ein fünfgeschossiges Gebäude.

    Im September 1921 schrieb die Deutsche Bank einen Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für ihr neues Geschäftsgebäude am seinerzeit verkehrsreichsten Platz der Stadt Chemnitz aus. Nachdem das Bauvorhaben ausreichend geklärt war, konnte noch im selben Jahr der Architekt Erich Basarke mit der Ausführung des Projekts beauftragt werden. Aufgrund der ernsten Wirtschaftslage wurde schließlich beschlossen, den Neubau vorläufig nur wesentlich eingeschränkt in der Höhenentwicklung oder in der Längsausdehnung weiterzuführen.

    Mit den Gründungsarbeiten wurde unverzüglich begonnen. Leider machten sich die unsicheren wirtschaftlichen Verhältnisse sehr bald bemerkbar. Nachdem noch nicht einmal ein Drittel der Gründungsarbeiten erledigt war, trat ein mehrere Wochen andauernder Streik ein. Dies veranlasste die Deutsche Bank, ihr Bauvorhaben am Ende des Jahres wegen dieser schlechten Verhältnisse endgültig einzustellen. Das Projekt kam für vier Jahre zum Erliegen.

    Nach der Einführung der Goldmark und einer erheblichen Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse gegenüber den Vorjahren beschloss die Deutsche Bank im Frühjahr 1925, ihr Bauprojekt doch noch umzusetzen. Der Architekt Erich Basarke (auch die Kammerlichtspiele am Markt entstanden nach seinen Plänen) wurde erneut beauftragt, sein altes Projekt in die Tat umzusetzen.

    Am Mittwoch, dem 6. Mai 1925, fand die feierliche Grundsteinlegung für den Neubau der Deutschen Bank statt. Leider störten aber wiederum ein dreimonatiger Streik und eine Aussperrung die Bauarbeiten. Ähnlich erging es auch der Flughafengesellschaft beim Bau des Flughafengebäudes an der Stollberger Straße.

    Mit großem Eifer wurden die Bauarbeiten im ersten Halbjahr 1926 vorangetrieben. Am 21. Juni 1926 konnte schließlich die Aufnahme des Geschäftsbetriebs am Falkeplatz vermeldet werden.

    Die Baubeschreibung

    Mit einer ca. 64 m langen leicht gekrümmten Front und einer Bauhöhe von ca. 25m bildete das Gebäude die neue Dominante am Falkeplatz. Dieser war bei Beginn des Baus bereits seit 1914 überbaut.

    Für den Aufbau der Fassade wurden für die Straßenfronten des Unter- und Erdgeschosses sowie für das Hauptgesims Muschelkalkwerksteine verwendet. Die Obergeschosse bestehen aus reinem Ziegelmauerwerk mit einem Überzug aus Muschelkalkputz, der von Steinmetzen überarbeitet wurde.

    Haupteingang

    Die in schlichten Formen gehaltene Fassade hat als architektonischen Schmuck lediglich fünf vom Chemnitzer Bildhauer Bruno Ziegler (Link zum Video) geschaffene Reliefs über den Fenstern des Sitzungssaals. Sie stellen Handel, Industrie, Gewerbe, Forst- und Landwirtschaft dar. Den hervorgezogenen Mittelbau des Haupteingangs krönten ursprünglich Köpfe, die die fünf Erdteile versinnbildlichen sollten. Sie wurden jedoch bereits vor 1945 entfernt. Eine weitere Bereicherung für die Fassade ist die Haupteingangstür zur Bank selbst, eine kunstgewerbliche Arbeit aus Bronze. Sie ist seitlich von kunstgeschmiedeten Gittern gerahmt, beide stammen aus der Werkstatt von Max Großmann in Dresden.

    Die Erd-, Maurer- und Zimmerarbeiten wurden von der Firma Hugo Duderstaedt Nachf., Chemnitz, die Beton- und Eisenbetonarbeiten von der Dyckerhoff & Widmann AG, Niederlassung Chemnitz, ausgeführt. Natürlich wurden auch die zahlreichen Innenausbau- und Ausstattungsarbeiten von Chemnitzer Firmen übernommen.

    Die Deutsche Bank nutzte für ihre bis zu 250 Beamten nur das Unter-, das Erd- und das erste Obergeschoss. Die übrigen drei Geschosse wurden für Bürozwecke verschiedenster Unternehmungen vermietet und als Dienstwohnungen für Hausmeister, Heizer, Chauffeur u.a. genutzt.

    Bei der Grundrissgestaltung ergab sich von selbst die Anordnung von zwei Treppenhäusern, die von den flankierenden Straßen aus zu erreichen waren. Der Haupteingang zur Bank befand sich in der Mitte des Gebäudes. In den Treppenhäusern waren zur Erleichterung des Verkehrs selbstverständlich Aufzüge vorgesehen. Sehenswert ist auch die mit weichem Rochlitzer Porphyr verkleidete Haupteingangshalle.

    Die Zeit nach 1945

    An diesem Bankgebäude entstandenen durch die Luftangriffe in der Nacht vom 5./6. März 1945 erhebliche Schäden. Der Befehl Nr. 01 der SMAD vom 23. Juli 1945 führte zur Schließung aller Banken und leitete die Neuordnung des Bankenwesens in der SBZ ein. Alle Finanzgeschäfte waren einzustellen, Safes waren zu versiegeln, Auszahlungen aus alten Einlagen und aus laufenden Konten waren verboten. Auf Grundlage dieses Befehls Nr. 01 der SMAD erließ die Landesverwaltung bereits unter dem 14. August 1945 eine „Verordnung über die Gründung der Sächsischen Landesbank und die Abwicklung der bisher bestehenden Banken und sonstigen Geldinstitute. Bei der neu geschaffenen Sächsische Landesbank, deren Zweigstelle Chemnitz am 20. August 1945 als einziges Bankhaus in der Stadt den öffentlichen Geschäftsverkehr wieder aufnahm, bestand eine „Abwicklungsabteilung Deutsche Bank Filiale Chemnitz“, der die Abwicklung des Altbankgeschäftes oblag.

    Aufnahme des Gebäudes März 2016 – Buntes Chemnitz

    Am 11. Juni 1947 erfolgte auf der Grundlage eines Befehls des Obersten Chefs der Sowjetischen Militäradministration, Marschall G. Schukow, vom 23. Juli 1945 die Löschung im Handelsregister – gleich allen anderen Banken. Danach hatte zunächst die Deutsche Notenbank, später die Deutsche Staatsbank der DDR, Bezirksdirektion Karl-Marx-Stadt, ihren Sitz im Gebäude. Im Frühjahr 1990 nahm die Deutsche Bank ihr ursprüngliches Domizil wieder in Besitz.

    2008 wurde nach mehrjähriger Planung die ursprüngliche Platzgestaltung vor dem Gebäude aufgehoben und die Chemnitz wieder offengelegt. Siehe dazu mein Artikel: https://chemnitz-gestern-heute.de/die-chemnitz-kommt-ans-licht/

    Quellen u.a.: Festschrift 1926 „Die Deutsche Bank Filiale Chemnitz“ (Scan Mike Hähle); Artikel in der Deutschen Bauzeitung vom 28. August 1926; Archiv der Chemnitzer Hobbyhistoriker; Hinweise aus dem Sächsischen Staatsarchiv

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