Für viele Chemnitzer ist der Ort Klaffenbach neben dem Wasserschloß wohl mit einem seiner bekanntesten Gebäude verknüpft – dem Krystallpalast.

Erinnerungen werden vielleicht wach an die Jugendweihe- und Tanzveranstaltungen, den Betriebsfeiern und Faschingsveranstaltungen des WCC. Seit 2017 finden wir das griechische Restaurant „Dakos“ in diesem Gebäude. Doch die Geschichte dieses Gebäudes ist länger und abwechslungsreicher als man glaubt.

Eine ausführliche Zusammenstellung:

Der Krystallpalast wurde auf einem freien Grundstück 1888-1889 von Carl Eduard Uhlig an der Klaffenbacher Hauptstraße erbaut.  Erstmals finden wir eine Annonce, noch als „Gasthaus Klaffenbach“, vom 21.Juli 1889 im Sächsischen Lokalanzeiger für Chemnitz und Umgebung. Im September wirbt Uhlig bereits für das Kirchweihfest. 2 Jahre später, 1891 lesen wir zum ersten Mal von der Aufstellung eines „Carroussels“ zum Kirchweihfest. In der Region war dieses Doppelstockkarussell, „Hähnels Reitschule“ genannt, die Attraktion der Rummelplätze zur Dorfkirmes. Es stand während der Kirmes im Garten des Krystallpalastes, aller verfügbarer Platz war zusätzlich  mit diversen Verkaufs-, Schieß- und Würfelbuden und „Hau den Lukas“ aufgefüllt.

Hähnels Reitschule – angeblich 1945 zerstört

Im Oktober 1894 lesen wir in den alten Akten zum ersten Besitzerwechsel: Der Wirtschaftsbesitzers Friedrich Hermann Fankhänel aus Rödlitz richtet an die Amtshauptmannschaft ein Gesuch zur Ausübung des Schankgewerkes in dem von ihm gekauften Uhligschen Gasthof Brandkataster Nr.92 b. Die Größe der Gaststube im Parterre wird angegeben: 3,60 m hoch, 10 m lang, 5,80 m breit sowie das nebenan befindliche Billardzimmer 3,50 m hoch, 4,85 m lang und 5,80 m breit. In der 1. Etage befinden sich Gesellschaftszimmer.

Der Gemeinderat befürwortet das Anliegen: „Indem nun der Durchgangsverkehr im hiesigen Orte jetzt schon ein sehr starker ist, und bei Fertigsein der Würschnitztalbahn ein nochmal stärker wird, so hat der Gemeinderat einstimmig seine Zustimmung dahin ausgesprochen, die Königliche Amtshauptmannschaft wolle auf das Gesuch des Antragssteller R. Fankhänel wie dessen Vorbesitzer im vorbezeichneten Gasthof zur Ausübung des Schankgewerkes im vollem Umfange Genehmigung dazu erteilen.“

In alten Unterlagen taucht zudem für diese Zeit ein gewisser Robert Herrmann Hering auf, der bis 1897 den Gasthof besessen haben soll, Fankhänel erst ab 1897-1898. Leider lässt sich das nicht mehr nachvollziehen und belegen. Vielleicht hat Fankhänel weitervermietet.

Ansicht des Hauses vor 1910

1898 kommt es zum nächsten Besitzerwechsel, Herrmann Albin Uhlig kauft das Haus.

Mit dem Beschluß des Königlichen Amtshauptmannschaft zu Chemnitz vom 1.12.1898 erhält er die Erlaubnis zum Betrieb der Schankwirtschaft, einschließlich des Ausschänkens von Branntwein, Abhaltung öffentlicher Tanzmusiken, zur gewerbsmäßigen Veranstaltung von Singspielen, Gesangs- und declamatorischen Vorträgen und Marionettentheatervorstellungen in dem Saale und den erwähnten Schankräumen und zur Beherbergung fremder Personen in den hierzu bestimmten Räumlichkeiten. Das Gebäude besitzt: im Erd- und Obergeschoß – 2 Gaststuben, 2 Gesellschaftsstuben, Tanzsaal, Saalstube und einen Garten, in dem im selben Jahr drei Veranden errichtet werden.

Albin Uhlig bleibt nun mehr als 40 Jahre, mit einer kurzen Ausnahme, Wirt und Besitzer des Krystallpalastes. Es entwickelt sich ein umfangreiches Vereins- und Kulturleben in Klaffenbach.

1902 wird der „Radfahr-Verein Wanderlust Klaffenbach“ gegründet, der Gasthof Vereinslokal und der Saal Wettkampfstätte des Vereins. Ein solches Haus ist natürlich auch für andere Vereine interessant. Der große Saal wird für fast alle Festveranstaltungen in Klaffenbach genutzt. Das Königsessen der Schützengesellschaft, die Festkommerse des Männergesangsvereines, ja selbst die Turnstunden des 1925 gegründeten Turnverein „Gut Heil“ wurden im Saal abgehalten. Um nur einige zu nennen.

Albin Uhlig lässt auch im kulturellen Bereich nichts unversucht und veranstaltet, neben dem jährlichen Kirmestanz, Fastnachtsrummel, Kostümbälle und verschiedene Tanzveranstaltungen. Er wirbt auch in verschiedenen Fremdenverkehrszeitungen als Ausflugsziel für die Chemnitzer Bevölkerung.

Einige Annoncen aus dieser Zeit sollen das verdeutlichen.

Fortsetzung demnächst im 2. Teil.

(Quellen: Akte 623 im Stadtarchiv, Allgemeiner Anzeiger – Wochenblatt für Neukirchen, Klaffenbach, Adorf und Leukersdorf – div. Jahrgänge, Sächs. Lokalanzeiger für Chemnitz – div. Ausgaben 1889-91 – zu finden unter SLUB-Sachsen.de)

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