Die Fortsetzung der Geschichte des Krystallpalastes Klaffenbach.

Im ersten Teil war ich bereits auf das Engagement von Albin Uhlig eingegangen. Seine Geschäftstüchtigkeit nach dem 1.Weltkrieg, vor allem aber in den 20er Jahren, führte maßgeblich zum Erfolg des Etablissements.

Fast 32 Jahre führte er die Geschicke des Hauses. Es war Zeit seinem Sohn Paul Albin das Geschäft zu übergeben. Dies erfolgte erstmals im Mai 1930, aber eine schwere wirtschaftliche Notlage zwang ihn, das Geschäft im Dezember 1931 wieder zu übernehmen, wie er in dem Konzessionsgesuch als Begründung angab. Näheres ist leider nicht bekannt. Weitere 6 Jahre folgten, ehe am 2.7.1937 der Sohn Paul Albin Uhlig erneut das Etablissement übernimmt.

Mit dem Kriegsbeginn kehrte Ruhe in das Haus, kaum Nachrichten sind darüber bekannt.

Durchziehende deutsche Soldaten sollen untergebracht gewesen sein, zum Kriegsende auch Flüchtlinge bzw. Bombengeschädigte aus Chemnitz. Wer weiß es genau?

Paul Albin Uhlig wurde noch im November 1943 (51 jährig!) zum Wehrdienst einberufen. 1945 noch nicht heimgekehrt, führte mitterweile dessen Sohn Paul Uhlig (gelernter Konditor, geboren 1921) den Betrieb fort.

1945 entzog der neugewählte Landrat allen Gaststätten die Schankkonzessionen. Jeder wurde auf seine Parteizugehörigkeit überprüft und die Gewerbeerlaubnis entsprechend erteilt oder verweigert. „Aufgrund der eingereichten Beurteilung über die persönliche Zuverlässigkeit der Gastwirte der Gemeinde Klaffenbach beabsichtige ich, die Schankkonzession per 30.9. für Paul Albin Uhlig einzuziehen.“….. Uhligs sollen auf Grund dessen wohl Richtung Westen abgewandert sein.

Zudem war 1945 die Wohnungssituation katastrophal. Über 1000 Personen hatten eine Zuflucht in Klaffenbach gefunden. Von Amtswegen sollte im Krystallpalast der Einbau von Wohnungen in Schankwirtschaftsräumen geprüft werden.  Das komplette Obergeschoß (die Gesellschaftszimmer) und Dachgeschoß wurden zu kleinen Behelfswohnungen umgebaut. Diese wurden erst Anfang der 70er Jahre wieder zurückgebaut. Der Rote und Gelbe Salon, sowie der Barbereich entstanden.

Kommen wir auf die weitere Bewirtschaftung zurück.

Ab 1948 wurden lohnenswerte Gaststätten-Objekte von der HO (Handelsorganisation) übernommen. Garantiert waren dem Pächter eine staatlich geregelte Grundversorgung mit Lebensmitteln und Einrichtungsmaterial, gute Umsätze waren sicher. So finden wir im Programm zum Heimatfest 1954 Werner Päßler als Wirt unter dem Dach der HO.

Davor und danach klafft momentan noch eine Lücke in der Historie des Hauses.

Ab 1968 bis 1989 führte Gerhard Schindler mit seine Frau Inge und Schwiegertochter Christine das mittelweile im Zuge der sozialistischen Bewegung umbenannte Kulturhaus Klaffenbach. Auch wurde es jetzt offiziell eine Konsum-Gaststätte.  Die Konsum-Genossenschaften führten ähnlich wie die HO eine Vielzahl von Versorgungseinrichtungen für die Bevölkerung bis hin zum Kaufhaus und dem Konsument-Versandhandel, der seinen Sitz ja bekanntlich auch im damaligen Karl-Marx-Stadt hatte. Legendär war sein Ruf in der Umgebung, Gerhard Schindler hatte ein Organisationstalent, das ihn viel Lob aber auch Neider und Mißgunst brachte. Woche für Woche war das Haus voll, Vereine nutzen die Gesellschaftsräume für die wöchentlichen oder monatlichen Zusammenkünfte. Die Salons groß genug, auch einmal die Familien- oder Brigadefeier etwas großzügiger zu organisieren. Und Gerhard hatte immer eine kleine Überraschung parat…. Über Details möchte ich hier den Mantel des Schweigens legen.

Ansicht Ende der 70er Jahre (Bildgeber Grit Schwarz)

Weitere Veranstaltungen möchte ich hier nur in einer Aufzählung ergänzen:

  • Schulanfangs – und Jugendweihefeiern, auch Chemnitzer Schulen nutzten das Haus
  • Festveranstaltungen von Großbetrieben aus Chemnitz und Umgebung
  • Tanzveranstaltungen (Jugendtanz, Mai-, Kirmes-, Familientanz)
  • Konzerte des Männergesangsvereines und anderer Chöre des Ortes
  • Gastspiele diverser Sendungen des DDR-Rund-und Fernsehfunks, wie Klock 8 – Achtern Strom, Oberhofer Bauernmarkt, u.a.
  • Verköstigungen von Busreisen des Reisebüros der DDR
  • Faschingsveranstaltungen: erst verschiedene Faschingsclubs aus Chemnitz, ab 1986 dann bis heute der WCC
  • Weihnachts- und Silvesterfeiern und und und… – Viele können sich bestimmt noch an ein Ereignis bzw. Veranstaltung erinnern.

Im ehemaligen Pferdestall, früher waren alle größeren Gasthöfe auch als „Ausspannung“ gekennzeichnet, gab es über Jahre auch eine SERO-Annahmestelle, in der man einmal pro Woche seine alten Flaschen, Gläser, Papier und Pappe zur Wiederverwertung hinschaffen konnte, dafür einen festgelegten Preis pro Stück oder kg erhielt.

Mit der Durchführung der Schulspeisung der Klaffenbacher Oberschule betraut, wurde auch die große Küche in der Woche ausgelastet. In der Schule war keine eigene Küche und Platz vorhanden, die bis zu 270 Schüler zu verköstigen. Eine separate Küche und Essensausgabe war aus hygienischer Sicht gefordert. Mit der Sanierung des ehemaligen Pferdestalls Anfang der 80er Jahre gab es dann auch in diesem Bereich eine Verbesserung. Und dieser Raum wurde auch an den Wochenenden aller 14 Tage dem Jugendclub zur Durchführung einer Disco überlassen. Ein beliebter Treffpunkt der Jugend aus nah und fern…

Unvergessen auch der Rummel alljährlich zur Kirmes, mit Kettenkarussel im Garten, Richters Kinderkarussel und Schießbude auf dem Vorplatz.

Mit der politischen Wende 1989 schließlich kamen positive wie auch negative Änderungen auf das Haus zu. 1990 wurde die Krystallpalast GmbH durch Hr. Neuhäuser gegründet. Umfangreiche bauliche Sanierungen im Inneren und am Äußeren begannen, Pensionszimmer wurden eingerichtet und vermietet. Das Haus konnte sich wieder sehen lassen. Doch der Erfolg blieb aus. Die Auslastung ging rapide zurück, der Saal kaum noch gefüllt. 1998 übernahm Hr. Feil, 2003 seine Tochter Simone das Objekt. Jedoch keiner konnte an die frühere Beliebtheit anknüpfen.

Seit 2017 ist nun das griechische Restaurant „Dakos“ eingemietet. Wünschen wir uns, das es noch länger erhalten bleibt. Das setzt aber auch wieder Investitionen vom Eigentümer in das Umfeld voraus. Der Saal ist stark renovierungsbedürftig und auch hinter dem Haus bietet es dem Betrachter keinen erfreulichen Anblick.

aus „Unsere Heimat Klaffenbach“ 1993
Luftaufnahme 2017

(Quellen: Akte 623 im Stadtarchiv, Erzgebirgsverkehr 1931, Festschrift zum Heimatfest 1954 und 26 Jahre „Vor-Ort -Erfahrung“)

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