Als Fortsetzung der Reihe mit historischen Luftaufnahmen der Stadt Chemnitz präsentiere ich euch diese seltene Aufnahme um das Jahr 1930 mit Blickrichtung Sonnenberg. Wir sehen die dichtbebauten Karrees zwischen Martinstraße (rechts), Fürstenstraße (oben) und Dresdner Platz. Unten schlängelt sich die Oststraße bis zum Städtischen Brausebad durchs Bild, flankiert von einigen der ersten Fabriken, die am Fuße des Chemnitzer Sonnenberges entstanden.
Schauen wir uns die Details genauer an. Beim Überfahren der Nummerierung werden weitere Informationen angezeigt. Die hellblauen Links führen wie immer zu bisher erschienenen Beiträgen auf dieser Webseite.
Dresdner Platz
Erstmals 1868 im Adressbuch erwähnt, mit der Errichtung der Eisenbahnstrecke nach Zwickau führten seit 1858 Gleise über die damalige Kreuzung Dresdner Straße, ab 1906 abgesenkt und mit einer Brücke versehen, mehrfach wurde dieses Bauwerk umgebaut
Weberei Kornick
Seit 1869 auf der Sonnenstraße 11, einer der ältesten Werkstätten auf dem Sonnenberg, Fabrikation von Möbel- und Dekorationsstoffen
Druckerei Landgraf
Seit 1910 Firmensitz an der Dresdner Str.38, Herausgeber der sozialdemokratischen „Volksstimme“, Verleger Georg Landgraf wurde bei einer Durchsuchung 1933 erschossen
Ballhaus Goldne Kugel/Kino Europa
Gaststätte „Goldne Kugel“ bereits 1887 eröffnet, 1931/32 Umbau zum Kino, nachdem es zwischenzeitlich Fabrikzwecken diente, Weihnachten 1932 als „Gloria-Lichtspiele“ eröffnet, ab 1933 bis 1998 „Europa-Lichtspiele“, 2006 wurde der Saal abgerissen
Brücke Jägerstr./Hainstr.
Im Zuge der Umgestaltung der Bahnanlagen 1909 entstanden war sie bis heute eine wichtige Verbindung zwischen Zentrum und Sonnenberg.
Gesellschaftshaus Thalia
Sonnenstraße 42-44 - Gesellschaftshaus mit Theatersaal für bis zu 1000 Personen, ab 1893 Treffpunkt verschiedener dramatischer und theaterspielender Vereine, 1945 zerstört
Zweinigers Ballhaus
Jakobstr 8-12 - einst größtes und schönstes Ballhaus des Ostviertels, Einstellung Geschäftsbetrieb 1984, musste nach Vandalismus und Brand 1990 abgerissen werden
Seidels Eisengießerei
seit 1866 an der Augustusburger Straße 29-31, Verlegung nach 1910 an die Scheffelstraße, nach dem 1.Weltkrieg waren die Sächsische Montangesellschaft und Zahnradfabrik hier ansässig, 1945 zerstört
Gasthaus zur Kaiserkrone
erbaut 1862/63, bekannte Gaststätte an der Ecke Ostplatz/Hainstraße - ab 1934 Einsiedler Bierstall, Abbruch 1952
Maschinenfabrik Strobel
1850 von Friedrich Wilhelm Strobel an der Dammstraße gegründet, Fabrikation von Maschinen zur Papp- und Papierherstellung, seit 1929 im Besitz des Architekten A. Kornfeld, nachdem die Firma ihren Sitz nach Willischthal verlegte, ein Neubau einer Großgarage scheiterte
Seit 1865 Pferdehandel und Roßschlächterei, 1945 teilweise zerstört, ab 1954 mit Gaststätte, Einstellung des Betriebs 2000, Neubau Augustusburger Straße 265
Eisenbahnbrücke Augustusburger Str.
Auch „Ostbrücke“, bereits 1858 als Gewölbebrücke errichtet, 1909 durch eine Stahlbrücke ersetzt, 2019 abgerissen, Neubau Stahlbetonbrücke bis 2023
1903 wurde dieses 2. Volksbrausebad an der Einmündung zur Martinstraße gebaut, 1952 nach Bombenschäden abgebrochen
Fabrikgelände an der Uferstraße
ehemals Werkhallen der Maschinenfabrik und Eisengießerei Hermann Michaelis, in der Zeit der Abbildung im Besitz der Moll-Werke, nach dem 2. Weltkrieg Teil des VEB-Barkas
Der Chemnitzer Stadtteil Sonnenberg schließt sich südostwärts an das heutige Hauptbahnhofsgelände an und hat seine höchste Erhebung am Humboldtplatz, der im Volksmund auch als Humboldthöhe bezeichnet wird. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war das Gebiet weitgehend unbebaut, und der Flurname lässt sich sprachgeschichtlich sowohl von der Lage des Berges mit Sonnenaufgang und längster Sonnenschein in der Südhanglage als auch von dem historischen Gasthof „Die goldene Sonne“ am Fuße des Berges ableiten. Ursprünglich gehörte das Areal zur Gemarkung des Klosterdorfes Gablenz, bis die Stadt Chemnitz im Jahr 1402 den westlichen Teil erwarb. Diese besitzmäßige Teilung endete am 1. April 1900 mit der Eingemeindung von Gablenz nach Chemnitz, wodurch der Sonnenberg vollständig an die Stadt kam. Frühe Verkehrswege bildeten der Fürstenweg als heutige Fürstenstraße, die Hauptstraße nach Freiberg als Vorläufer der heutigen Dresdner Straße sowie die Augustusburger Straße.
Nach der Anlage von Hain- und Sonnenstraße Mitte des 19. Jahrhunderts begann zwischen 1860 und 1880 die eigentliche planmäßige Besiedlung, die sich rasch ausweitete, sodass bereits im Jahr 1880 rund 20 Prozent der Chemnitzer Bevölkerung auf dem Sonnenberg wohnten. Weitere Bauwellen folgten um 1900 sowie Ende der 1920er und Mitte der 1930er Jahre, wodurch die Straßenstrukturen ihre bis heute prägende Gestalt erhielten. Ein neuer städtebaulicher Abschnitt wurde 1983 eingeleitet, als der Sonnenberg zum innerstädtischen Bebauungsgebiet erklärt wurde. Während im südlichen Teil die Altbausubstanz größtenteils abgerissen und durch Neubauten ersetzt wurde, deklarierte man den nördlichen Sonnenberg zum denkmalgeschützten Wohngebiet mit Schwerpunkt auf Sanierung und Rekonstruktion.
Im Rahmen der Neugliederung der Stadt Chemnitz in den Jahren 1992 und 1993 wurden die territorialen und verwaltungstechnischen Grenzen neu festgelegt. Heute umfasst der Stadtteil Sonnenberg eine Fläche von 2,27 Quadratkilometern. Zur statistischen Einordnung lag die Wohnbevölkerung per 31.Dezember 2020 bei 15.418 Einwohnern, was einer Bevölkerungsdichte von 7.590 Einwohnern pro Quadratkilometer entspricht.