Haben wir letztens eine Wanderung durch die Straßen unserer inneren Stadt angetreten, so wollen wir heute das äußere Stadtgebiet besuchen.

Die stattlichen Gebäude der Technischen Staatslehranstalten Chemnitz

Man benutzt hierzu am besten die Pferdebahn und fährt mit derselben bis auf den Schillerplatz, um von hier aus zu Fuß durch die breitangelegte Schillerstraße nach der Nordgrenze der Stadt zu gelangen oder man erreicht dies Ziel, in dem man direkt bis zur Station der Pferdebahn auf dem Wilhelmplatz fährt.

Auf diesem Wege kommen wir zunächst an dem Sitz der Königlichen Technischen Staatslehranstalten vorüber. Der stattliche Bau, bestehend aus Hauptgebäude mit zwei Flügeln nebst einem besonderen Laboratoriumsgebäude, ist in den Jahren 1874-77 nach den Entwürfen und unter der Oberleitung des Herrn Prof. Gottschaldt erbaut worden und enthält außer den Lehrräumen eine über 13.000 Bände, 1298 Atlanten führende Bibliothek, reichhaltige Sammlungen für Naturwissenschaften, Technik, Architektonik, Feuerlöschwesen etc. und eine Sammlung von Mustermöbel. Die Staats-Lehranstalten selbst umfassen erstens die höhere Gewerbeschule (drei Abtheilungen: für Mechaniker, Chemiker und Architekten), zweitens die Baugewerkenschule, drittens die Werkmeisterschule (3 Abtheilungen für Mechaniker, Färber- und Müllerschule), viertens die Gewerbzeichenschule.

An der Nordseite des Schillerplatzes zeigt sich uns dann das schön angelegte, im Innern vortrefflich eingerichtete Gebäude der Aktienspinnerei, der bedeutendsten Baumwollspinnerei in Sachsen.

Der Wettinerplatz vor dem ehemaligen Schlachthof – jetzt Sachsen-Allee

Am Ende der Schillerstraße, auf dem Wilhelmplatz angelangt, begeben wir uns nun durch die Wettinerstraße nach den großartigen Anlagen des Chemnitzer Schlacht- und Viehhofes. Diese, den Anforderungen der Neuzeit durchaus entsprechend eingerichteten, ein weites Areal bedeckenden Anlagen sind Eigenthum der hiesigen Fleischerinnung und vom Herrn Stadtbaurath Hechler in den Jahren 1882-81 erbaut. Die Anlagekosten betragen etwa 2 Millionen Mark. Neben den vorzüglich eingerichteten Stallungen, Schlachthäusern und Darmwäschereien erregen vor allem die großartig, einzig in ihrer Art angelegten Markthallen unser Interesse. Ein eigenes Wasserwerk mit schönem Wasserthurm, sowie selbständige Bahnverbindung mit dem Hauptbahnhof dienen zum Betriebe des Ganzen. Eine daselbst befindliche Schlachtsteuereinnahme und Eisenbahn-Expeditionsstelle, sowie eine Zentralzahlstelle für den Viehhandel und „Die Chemnitzer Viehmarktsbank“ erleichtern den Geschäftsverkehr. Ein zu den Anlagen gehöriger, behaglich eingerichteter Gasthof befindet sich an dem vor dem Schlachthof parkähnlich angelegten Lessingplatz.

Vom Schlacht- und Viehhof, dem Endpunkt der Straßenbahn, führt ein angenehmer Weg nach dem von der Stadt aus vielbesuchten Hilbersdorf. Rechts von uns breitet sich nach Süden hin der Zeisigwald aus, in alten Zeiten der „Kaiserforst“ genannt, während sich links vor unseren Blicken ein stattliches Bild der Chemnitzer Industriethätigkeit entrollt.

Zwischen den nach Dresden und Riesa führenden Bahnsträngen liegt der Werkstätten-Bahnhof, der zusammen mit dem Hauptbahnhofe, auf welchem täglich 188 Züge nach zehn verschiedenen Richtungen verkehren, 50,5 Kilometer Geleise mit 800 Weichen enthält, während sich auf beiden Seiten umfängliche Zentral-Weichen- und Signal-Anlagen mit elektrischer Blockverriegelung an den Ein- und Ausfahrtsgeleisen befinden. Die Werkstätten- Anlagen des Bahnhofs allein beschäftigen 1300 Arbeiter. Südlich vom Werkstätten-Bahnhof sehen wir die zweite Gasanstalt, an deren Gasometer das Wellblechdach mit radialen Wellen bemerkenswerth ist.

Chemnitztal-Viadukt der Eisenbahnlinie Chemnitz-Leipzig bei Furth

Nach Westen zu dagegen erstrecken sich längs der Emilienstraße die Filialstellen der in der inneren Rochlitzerstraße gelegenen Werkzeug-Maschinen-Fabrik, vornehmlich Holzbearbeitungsmaschinen-Fabrik und Eisengießerei enthaltend.

Von hier aus führt uns der Weg nach der westlich, auf dem linken Ufer des Chemnitzflusses, dessen weites Thal hier die Leipziger Bahn auf mächtigem Viadukt überschreitet (Straße nach Furth, Gasthof zur Scheibe mit sich hübsch entwickelndem zoologischen Garten) gelegenen Sächsischen Webstuhlfabrik (Schönherr). An der Straße nach Glösa (durch den Bahnübergang) hübscher Blick auf Dorf Glösa.