Plan Schloßteich Chemnitz um 1760
Plan Schloßteich Chemnitz um 1760

Die Anlagen als grüne Oase im Zentrum der Stadt, ihre Entstehung und Entwicklung möchte ich in diesem und weiteren Beiträgen vorstellen.

Die große Chemnitzer Talaue wurde schon jeher neben des Chemnitzflusses von mehreren Bächen und Flüsschen durchströmt. Der unterhalb des Schloßberges am Chemnitzer Kloster vorbeifließende Pleißenbach mit seinem Fischreichtum wurde vom damaligen Abt Heinrich von Schleinitz im Jahre 1493 angestaut. Ein Fischteich für das Kloster war über Jahre entstanden. Auch während der Fastenzeit hatte man nun eine zusätzliche Nahrungsquelle. Von Schilf umsäumt waren die Ufer nicht befestigt, sumpfiges Gelände erschwerte den Zugang für die Chemnitzer, die als Fronarbeit für die Bewirtschaftung und das Abfischen des Teiches vom Kloster herzugezogen wurden. Der Plan von 1760 zeigt die Situation um den Teich. Links das Schloß, von unten der zufließende Pleißenbach. Noch beherrschen Wiesen als Bleichen für die Chemnitzer Textilindustrie die Umgebung.

Nach Auflösung des Klosters stand dann der Teich zwischen 1540 und 1818 unter dem Churfürstlichen Amt Chemnitz. Zum 1. Januar 1819 ging der Teich in den Besitzer des Inhabers der Schloßmühle, Herrn Johann David Matthes, für 1000 Taler und 100 Taler jährlichen Erbzins über.

1847 erhielt die 1840 von dem Lehrer Stahlknecht mit gegründete „Gondelgesellschaft“ die Erlaubnis Boote über den Schlossteich zu steuern.

Anfang 1860 kaufte der Rittergutsbesitzer Gottfried Opitz die Schlossmühle und den Teich und wollte diesen, zwecks gewerblicher Nutzung, trockenlegen. Nach Protesten der Chemnitzer Bürger, die auch selbst den immer noch vorhandenen Fischreichtum als dringende Nahrung benötigten, und dem Engagement des Chemnitzer Bürgermeisters Johann Friedrich Müller wurde von diesem Vorhaben abgesehen.

Die Stadt selbst trat nun im selben Jahr als Käufer ein, und erwarb im August den Teich für 19.000 Thaler, die Schlossmühle für 15.000 Thaler und 2 zur Mühle gehörende Feldstücke und das Inventar für 1.000 Thaler. Das Teichgrundstück hatte damals einen Flächeninhalt von 16 ha und 4 Ar.

Die völlige Umgestaltung des Schloßteiches ab 1867 zu einer Parkanlage ist dem damaligen Stadtrat Carl Robert Zipper zu verdanken. Der Teich wurde wesentlich vertieft und aus den gewonnenen Schlammmassen entstand die große Insel am Südende des Teiches. Der Uferrand wurde befestigt und mit mehreren Buchten auch für die vorhandenen Wasservögel als Rückzugsort gestaltet. Dazu kam die Befestigung und teilweisen Erhöhung des Teichdammes. Gleichfalls wurden die Anlagen ringsherum ausgebessert und ausgebaut, eine Promenade wurde angelegt und mit über 100 Linden und Ulmen gepflanzt. Das Gesamtvorhaben kostete der Stadt rund 22.600 Thaler.

Der „Verschönerungsverein für Chemnitz und Umgebung“ war ebenso an diesen zwischen 1867 und 1869 durchgeführten Arbeiten beteiligt.

Erste fotografische Aufnahme des Schloßteiches Chemnitz um 1861

1870 wurde die Schloßteichinsel dem öffentlichen Verkehr übergeben, noch eingeschränkt zwischen morgens 6 Uhr bis abends 6 Uhr. Exotische Bäume und Ziergehölze, wie Palmen und Bananenstauden wurden angepflanzt. Die Insel erhielt einen kleinen Goldfischteich, eine Vogelvoliere und ein großes Schwanenhaus. Eine Fontäne, die 1881 zum ersten Mal sprudelte, kam hinzu.

1874 wurde die erste Gondelstation eröffnet, die sich noch unterhalb des Schlosses befand.

Der Teich und die Umgebung war nach dem Erwerb natürlich auch von wirtschaftlicher Bedeutung für die Stadt:  Pachtzins erhob man für das Mühlengebaude, die Grundstücke und für die 3 Satzteiche. Die Actienbrauerei auf dem nahen Schloßberg entnahm Wasser und im Winter das Eis und zahlte dafür einen Zins, so 1875 noch 2.847 Thaler. Ab dem Jahre 1880 wurde ein fester jährlicher Zins von 1225 Thaler vereinbart. An der Einmündung des Hechlerberges stand des Eishaus der Brauerei. (Siehe Plan 1873), wo sie das geschnittene Eis lagerte.

In den Sommermonaten wurden Gondelgebühren verlangt, die Eisbahn wurde im Winter immer im 3-Jahr-Rhythmus vermietet, ein bezahlter Schloßteichaufseher sorgte für Recht, Ordnung und die Pflege der von der Stadt gehaltenen Schmuckvögel. Weitere Einnahmen wurden durch die aller 3 Jahre stattfindende Abfischung des Teiches, hauptsächlich durch Karpfenverkauf, erzielt.

Dem gegenüber standen Ausgaben für die Pflege und das Futter der Schmuckvögel (Schwäne, Tauben, Enten), die Fischzucht, die bauliche Unterhaltung der Ufer, der Wehrbrücken, Zu- und Abflußwehre und der Vogelhäuser, später auch für die Wegeinstandhaltung und die Bedürfnisanstalten. Regelmäßig musste der Teich auch entschlammt werden.

Die nachfolgenden Pläne sollen die beschriebene Entwicklung der Anlagen zeigen.

1887 begann man das komplette nordwestliche Ufer umzugestalten, in dem man einen bis zu 6m breiten Streifen des Teiches zuschüttete. Neue Fußwege entstanden, die bis dahin unbefestigte Fahrstraße wurde um das doppelte verbreitert und eine dritte Reihe Bäume wurde angepflanzt. Gegenüber des Eishauses wurde die früher mit Schilf bewachsene Untiefe aufgeschüttet und eine mit Zierpflanzen besetzte Ausbuchtung geschaffen. Für die neue Ufermauer am Nordende wurde auch ein Stück des Teiches abgeschnitten. Unzählige Transportkarren mit Mutterboden wurden herbeigeschafft. Der Pleißenbach wurde zur geregelten Wasserzuführung kanalisiert. Die Schloßteichgröße war durch diese ganzen Umbaumaßnahmen auf ca. 12 ha geschrumpft.

1888 ließ der Verschönerungsverein einen Musikpavillon an der Promenadenstraße errichten, unmittelbar neben dem Schloßteichrestaurant. Zur Wettinfeier 1889 fand u.a. dort ein großes Konzert statt.

Die offizielle Eröffnung der Gesamtanlage fand schließlich am 12.September 1890 im Beisein des sächsischen Königs Albert statt. Ringsum des Schloßteiches waren die Gebäude und Parkanlagen dem Anlass entsprechend großartig geschmückt. Der König wurde am Abend auf dem festlich erleuchteten Schloß vom städtischen Gremium empfangen. Von der mit Papierlaternen geschmückten Terrasse wurden ihm prächtiges Bild des Schloßteiches präsentiert. Die Gondelgesellschaft hatte sich bereit erklärt, mit zahlreichen laternenbeleuchteten Gondeln ein großes A auf dem Schloßteich zu bilden. „Hierauf folgten 3 Kanonenschläge, und wie durch einen Zauberschlag erglänzten sämmtliche Ufer in grüner bengalischer Beleuchtung, während die rückstehenden Häuser in rothem Licht erstrahltem. Es war ein herrlicher unvergesslicher Anblick.“ So die begeisterte Presse in ihrem Artikel….

Die weitere Geschichte, die Gebäude und Anlagen rings um den Schloßteich wie die Brunnenanlagen, das Volksbad und die Gaststätten sollen Inhalt folgender Artikel werden.

(Quellen: Div. Ausgaben des Lokalanzeigers für Chemnitz und Umgebung, Leipziger Tageblatt, Verwaltungsberichte der Stadt Chemnitz ab 1876-1890 – zu finden unter SLUB-Dresden.de, div. Bücher zur Chemnitzer Stadtgeschichte)

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